Formel 1 mischt im eSports mit

Sebastian Vettel gewann bereits vier Mal den Titel in der Formel 1

Schnell, dynamisch, modern. Und vor allem: jung. Die neuen Eigentümer der Formel 1 drehen an allen Stellschrauben, um der Königsklasse des Motorsports ein frisches Image zu verpassen. Ein offensichtlich wichtiger Baustein dabei: eSports. Denn das wettbewerbsmäßige Zocken erobert gerade den glitzernden Formel-1-Zirkus.

Den Anfang machte dabei der Start der offiziellen eSports-Serie der Formel 1 im September. "Dies bietet uns fantastische Möglichkeiten für unser Geschäft: strategisch, und wie wir Fans für uns gewinnen", sagte Marketingchef Sean Bratches vom F1-Eigner Liberty Media zum virtuellen Motorsport, auch "Simracing" genannt.

Engländer gewinnt Titel

Das Finale der Serie, an deren Online-Qualifikation mehr als 63.000 Gamer teilnahmen, fand am Wochenende parallel zum echten Saisonfinale in Abu Dhabi statt. Den Titel gewann der Engländer Brendon Leigh mit einem spektakulären Manöver in der letzten Runde, den Pokal für Platz drei der Gesamtwertung bekam der 18 Jahre alte Sven Zürner aus Pechbrunn vom ehemaligen Vizeweltmeister David Coulthard überreicht.

Das Wichtige für die Macher ist aber: Die Rennen werden live im Internet gestreamt, sind mit rund 30 Minuten Länge relativ kurz, aber bieten komprimiert richtig viel Action. Also genau das Gegenteil von dem, was Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Co. anschließend im "richtigen" Rennen zeigten. Das war über gut anderthalb Stunden ein ziemlicher Langweiler zum Abschluss.

Alonso stellt eigenes Team zusammen

Doch auch abseits der offiziellen Rennserie tut sich einiges. Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso stellt gemeinsam mit einem Profiteam den eSports-Rennstall FA Racing G2 zusammen. "Endlich Teamchef", sagte der Spanier in Abu Dhabi und twitterte: "Willkommen in der Zukunft."

Alonso betonte, dass "jeder Formel-1-Fahrer im Herzen auch ein Gamer" sei. Das Finale der eSports-Serie schaute sich der Altmeister am Persischen Golf live vor Ort an. "Das virtuelle Racing eröffnet jungen Fahrern ganz neue Möglichkeiten. Ansonsten hätten sie vielleicht nie eine Chance, an einem Rennen teilzunehmen", sagte der McLaren-Pilot.

Auch Alonsos Team lieferte vergangene Woche skurrile Schlagzeilen. Der britische Traditionsrennstall castete im Simracing-Wettbewerb "World's fastest Gamer" aus über 30.000 Teilnehmern einen Fahrer für seinen Rennsimulator und stattete den Sieger, den ehemaligen niederländischen Kartmeister Rudy van Buren, mit einem offiziellen Vertrag aus. Von der Konsole in ein Formel-1-Team, auch so kann's also gehen.

Neue Zielgruppen erschließen

"Das Formel-1-Publikum wird immer älter", erklärte McLaren-Teamchef Zak Brown die eSports-Aktivitäten seines Teams und der Rennserie: "Aber so können wir jüngere Zielgruppen erobern. Dies ist der Weg, wie diese Generation aufwächst und zu unserem Sport kommt."

Etwas schneller als die Formel 1 war die MotoGP. Die Königsklasse der Motorräder hatte ihre eSports-Serie schon im Mai gestartet - mit dem österreichischen Getränkeriesen Red Bull und dem französischen Reifenhersteller Michelin an der Seite. Doch natürlich muss auch hier die Formel 1 bald die Nase vorne haben.