Formel 1: Mercedes: Macht-Demonstration im Ferrari-Land

Mercedes feiert beim 13. Saisonlauf der Formel 1 in Monza einen ungefährdeten Doppelsieg und Lewis Hamilton übernimmt die WM-Führung. Dass die Silberpfeile in Italien das Maß aller Dinge sind, ist nicht überraschend - die fast schon vergessene Dominanz dagegen schon.

Mercedes feiert beim 13. Saisonlauf der Formel 1 in Monza einen ungefährdeten Doppelsieg und Lewis Hamilton übernimmt die WM-Führung. Dass die Silberpfeile in Italien das Maß aller Dinge sind, ist nicht überraschend - die fast schon vergessene Dominanz dagegen schon.

Eigentlich war alles für ein rotes Tifosi-Wochenende beim Heimrennen in Monza bereitet: Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen hatten ihre Verträge bei der Scuderia erst kürzlich verlängert, bei Ferrari steht das 70-jährige Firmenjubiläum an und die gute Leistung in Spa machte Hoffnung auf den ersten Heimsieg seit Fernando Alonso 2010.

Nach dem Rennen steht fest: Vettel betrieb am Ort seines ersten Formel-1-Sieges mit Platz drei Schadensbegrenzung und Mercedes lieferte eine Machtdemonstration vom Allerfeinsten ab. Über 36 Sekunden lag der Heppenheimer hinter Sieger Lewis Hamilton zurück und auch auf Bottas fehlte mehr als eine halbe Minute. Größer war der Unterschied in dieser Saison bislang nur einmal: in Silverstone.

Ferrari-Boss Sergio Marchionne war einfach nur frustriert: "Wir haben einfach völlig versagt. Das Set-Up war falsch, wir haben die Strecke unterschätzt", wütete er bei RTL.

Vettel erkannte dagegen die Mercedes-Dominanz neidlos an. "Heute hat eindeutig der Speed gefehlt. Wir haben einen auf den Deckel bekommen", sagte er auf der Pressekonferenz nach dem Rennen und ließ sich die Laune nach Platz drei nicht verderben.

Hamilton: "Mercedes-Power einfach besser"

Die gleiche Aussage tätigte bereits Hamilton, der erstmals in dieser Saison die alleinige WM-Führung übernommen hat, bereits auf dem Podium: "Die Mercedes-Power war einfach besser als die Ferrari-Power." Worte, die ihm während eines gellenden Pfeifkonzerts der Tifosi heruntergegangen sein dürften wie Öl - und absolut der Wahrheit entsprachen.

Dass Mercedes in Monza das Maß aller Dinge werden dürfte, wurde im Vorfeld bereits erwartet. Mit 79 Prozent Vollgasanteil ist das Autodromo Nazionale di Monza eine ausgewiesene Motorenstrecke. Bekanntermaßen hat Mercedes das stärkste Aggregat aller Teams.

Wenig verwunderlich war es also, dass die Silberpfeile im ersten und zweiten Freien Training die Spitzenplatzierungen einnahmen und auch in der Qualifikation mit Hamilton den Polesetter stellten. 2,5 Sekunden (!) Rückstand der Ferraris dagegen schon, vor allem nach dem Auftritt in Belgien.

"Auto seit Belgien schlechter gemacht"

In Spa, ebenfalls eine Motorenstrecke, war Vettel das gesamte Rennen über in Schlagdistanz und machte so Hoffnung auf ein erfolgreiches Heimrennen. Immerhin hatte Mercedes vergangene Woche eine neue Motoren-Ausbaustufe mitgebracht und dennoch schien die Scuderia weiterhin auf Augenhöhe. Wie kam also der enorme Rückstand zustande?

Marchionne sucht die Schuldigen in den eigenen Reihen: "Wir haben das Auto seit Belgien schlechter gemacht", machte "Il Presidente" seinem Frust Luft.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff will diese einfache Erklärung allerdings nicht gelten lassen. "Es ist komisch, wie das in diesem Jahr schwingt. Wir haben Rennen wie in Silverstone und Monza, wo wir deutlich schneller sind. Dann aber Rennen wie in Budapest oder auch Spa, wo wir unerwartet nicht so viel schneller waren", sagte der Österreicher bei Sky.

Alle Mercedes-Aggregate in den Top Ten

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo zwischen Marchionne und Wolff. Fest steht: Mehr war für Ferrari nicht drin, Platz drei war für Vettel das Maximum. "Wenn man aufs Papier schaut, war heute was Punkte und Pace angeht ein schwarzer Tag", ließ der Deutsche durchblicken, dass er sich im Vorfeld selbst etwas mehr erhofft hatte.

Gegen den Mercedes-Motor war an diesem Wochenende aber kein Kraut gewachsen. Das zeigten auch die Ergebnisse der anderen Teams mit einem Stuttgarter Aggregat im Heck. Sowohl Williams als auch Force India brachten beide Fahrer in die Top Ten und rundeten den Eindruck ab.

Wird Red Bull zum Zünglein an der Waage?

Nach zwei Motorenstrecken scheint das Pendel aktuell zugunsten der Silberpfeile auszuschlagen. Das kann sich in den kommenden Rennen aber schnell wieder ändern.

Dementsprechend stapeln die Mercedes-Verantwortlichen gewohnt tief. "In Singapur sind wir, was die Papierform betrifft, die dritte Kraft hinter Red Bull und Ferrari", sagte Wolff und auch Niki Lauda schiebt der Konkurrenz die Favoritenrolle zu: "Wir müssen in Singapur Schadensbegrenzung betreiben. Der Ferrari ist ein Super-Auto für Singapur, der Red Bull auch."

Vor allem Vettels Ex-Team Red Bull macht sich in Singapur große Hoffnungen, Daniel Ricciardo hofft insgeheim gar auf einen Sieg. Dank der Motoren- und Chassis-Updates scheinen der Australier und Teamkollege Max Verstappen derzeit auf Augenhöhe - zumindest mit Ferrari. Wer weiß, wie der Italien-GP ohne Grid-Penaltys ausgegangen wäre.

In den kommenden Rennen spielt der Motor eine geringere Rolle als in Monza, Mercedes und Ferrari dürften wieder näher beieinander liegen. Vielleicht mischt auch Red Bull noch einmal groß mit und nimmt eine entscheidende Rolle im WM-Kampf ein. Oder um es mit Wolffs Worten zu sagen: Wer weiß schon, wie das Pendel schwingt.

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