Formel 1 meldet Millionenverlust im dritten Quartal 2020

Stefan Ehlen
·Lesedauer: 3 Min.

Die Formel 1 fährt, aber sie schreibt rote Zahlen. Das geht aus dem nun veröffentlichten Quartalsbericht von Liberty Media für den Zeitraum Juli bis September hervor. Am Ende steht ein operatier Verlust in Höhe von umgerechnet rund 88 Millionen Euro, nachdem 2019 noch ein Plus von knapp 27 Millionen Euro erzielt worden war.

Das liegt auch an den im Vergleich zum Vorjahr gesunkenen Einnahmen: 2019 hatte die Formel-1-Gruppe im dritten Quartal bei sieben Rennen noch rund 536 Millionen Euro an Einkommen erreicht. 2020 sank dieser Wert bei sogar zehn Grands Prix auf 506 Millionen Euro.

Noch krasser sind die Zahlen für das zweite Quartal von April bis Juni ausgefallen, weil in dieser Zeit überhaupt keine Rennen gefahren wurden: Ein Einkommen in Höhe von 525 Millionen Euro aus dem Vorjahr steht hier einem Einkommen von nur 20 Millionen Euro in diesem Jahr gegenüber.

Warum die Formel-1-Einnahmen zurückgehen

Warum aber gehen die Formel-1-Einnahmen zurück? Liberty Media begründet das mit der "Abwesenheit von Fans [an den Rennstrecken], den Austragungsorten der Rennen, dem Timing des veränderten Rennkalenders und der Verteilung gewisser Einnahmen".

Was vor allem ins Gewicht fällt, hier aber unausgesprochen bleibt: Aufgrund der Coronakrise litten die Einnahmen bei TV- und Sponsorenverträgen der Rennserie. Liberty Media räumt ein: Aufgrund der besonderen Situation seien bestimmte Verträge nachverhandelt worden, und nicht zugunsten der Formel 1.

Außerdem blieben Antrittsgelder in Millionenhöhe bei vielen Strecken aus. Im Gegenteil: Teilweise bezahlte die Formel 1 sogar, um einen Grand Prix abhalten zu können. Ihren Paddock-Club für VIP-Gäste kann die Rennserie ganzjährig nicht aufbauen und verliert damit weitere mögliche Einnahmequellen.

Das Fazit von Formel-1-Boss Carey

Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey aber zeigt sich zufrieden mit der Situation und meint: "Wir sind unheimlich stolz darauf, wie die Formel-1-Gemeinschaft auf die Herausforderungen [der Coronakrise] reagiert hat und dass wir auf sichere Art und Weise zum Rennbetrieb zurückkehren konnten."

Die Formel 1 werde aber weiterhin ohne Vor-Ort-Zuschauer ihre Rennen abhalten. In einem Statement heißt es, man erwarte nicht, bei den restlichen Grands Prix der Saison 2020 ein Publikum an den Rennstrecken zu haben.

Doch nicht nur die Formel 1 selbst leidet unter den unmittelbaren Folgen der Coronakrise. Auch die Teams müssen Einbußen hinnehmen. Bei 'auto motor und sport' erklärt Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur, die Saison 2020 stelle einen "riesigen Einschnitt" für jeden Rennstall dar.

Wie es den Formel-1-Teams ergeht

"Als wir nach Melbourne gegangen sind, waren 50 bis 60 Prozent des Budgets bereits ausgegeben. Du hast die Autos gebaut, für Motoren und Getriebe bezahlt. Wenn du dann damit konfrontiert wirst, dass dein Preisgeld sich auf 50 Prozent reduziert, ist es schwer damit umzugehen."

Sein Team habe zum Beispiel mit Kurzarbeit auf die Situation reagiert, genau wie einige andere Formel-1-Mannschaften. Außerdem stand die Arbeit im Formel-1-Werk in Hinwil - genau wie bei der Konkurrenz - aufgrund der Coronakrise über Wochen komplett still.

Immerhin: Im dritten Quartal haben die zehn Formel-1-Teams insgesamt 372 Millionen Euro von Liberty Media erhalten, und damit deutlich mehr Geld als vor einem Jahr (283 Millionen Euro). Die aktuelle Summe aber schließt Bonuszahlungen für die Unterschrift auf dem neuen Concorde-Agreement mit ein.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.