Der Formel 1 droht ein Szenario, das keiner will

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Der Formel 1 droht ein Szenario, das keiner will
Der Formel 1 droht ein Szenario, das keiner will

Die Formel 1 hat ein Problem: Die Fahrer ignorieren die Streckenbegrenzung. Asphaltierte Auslaufzonen, abgeflachte Randsteine und das Verschwinden von Kiesbetten sorgen dafür, dass sich ganz neue Ideallinien neben der Piste ausbilden. Die FIA will das verhindern, weil die Sicherheitsbestimmungen der Strecken dafür nicht ausgelegt sind.

Also hagelt es Strafen. In den ersten fünf WM-Rennen sind 297 Rundenzeiten wegen Missachtung der Tracklimits gestrichen worden. Viele davon fallen auf die Trainingssessions und damit wenig ins Gewicht. Aber allein in den fünf Qualifyings haben die Rennkommissare 27 Rundenzeiten streichen müssen.

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Faktor im Titelkampf zwischen Hamilton und Verstappen

Darunter war zum Beispiel auch die schnellste Runde von Max Verstappen im Qualifying zum Portugal-GP, die für die Pole-Position gereicht hätte. Aber in Turn vier fuhr er mit allen vier Rädern neben der weißen Linie, die die Streckenbegrenzung markiert. Das ist nicht erlaubt. Noch schlimmer: Im Rennen kam er in Kurve 14 zu weit raus. Dadurch verlor er die schnellste Rennrunde, die immerhin einen WM-Punkt wert ist. Im mega-engen Titelduell mit Lewis Hamilton können auch wenige Zähler am Ende entscheidend sein. (Alle Rennen der Formel 1 im LIVETICKER)

Und dazu kommt ja auch noch das nicht regelkonforme Überholmanöver von Verstappen beim Bahrain-GP in Kurve vier. Auch da überholte er abseits der Streckenmarkierung. Die Rundenzeit wurde ihm zwar nicht aberkannt (und fällt damit nicht in die Statistik), aber der Red-Bull-Pilot musste die Position an Hamilton zurückgeben.

Red Bull poltert daher am meisten gegen die Tracklimit-Problematik: "Man muss auch mal die Sinnhaftigkeit dieser Regel hinterfragen", sagt Dr. Helmut Marko im Gespräch mit F1-insider.com. "Wozu zieht man Linien, wenn genug Platz ist? Was mich am allermeisten stört, ist die mangelnde Konstanz in der Bestrafung. Mal gibt es fünf Sekunden, mal zehn Sekunden, mal eine Durchfahrtsstrafe. Grundsätzlich stellt sich mir die Frage: Ist es notwendig, dass man Tracklimits hat? Nein. Was ich verstehe: Es braucht entsprechend Zeit, um die Rennstrecken zu adaptieren."

Gefühlt ist Verstappen der Verlierer der Tracklimits-Regeln. Doch im Qualifying musste Hamilton schon öfter büßen: Dreimal wurde bei ihm eine Zeit gestrichen, nur einmal bei Verstappen. (Fahrerwertung der Formel 1)

Formel-1-Rennleiter wehrt sich

Formel-1-Rennleiter Michael Masi steht wegen der Tracklimits immer wieder in der Kritik. Fans sind diese Diskussionen nicht vermittelbar. Warum zum Beispiel kehren nicht wieder Kiesbetten, Leitplanken oder hohe Kerbs zurück? Masi erklärt: "Idealerweise hätten wir gerne überall eine harte Grenze. Aber wir fahren natürlich auf unterschiedlichen Streckentypen. Wenn wir es mit dem Sicherheitsaspekt sehen, dann müssen wir in jeder Situation die beste Balance aus allem finden."

Selbst Mauern und Leitplanken lösen das Problem nicht. Am Monaco-Wochenende wurden 100 Rundenzeiten für regelwidrig erklärt (alle in Kurve zehn, also in der Hafenschikane) – 70 in den Trainings, acht im Qualifying, 22 im Rennen. Nur beim Portugal-GP fielen mehr Rundenzeiten den Tracklimits zum Opfer: 113, verteilt allerdings auf drei Kurven. (Rennkalender der Formel 1 2021)

Es sind Zahlen, die bei Fans und Teams wie Red Bull für Kopfschütteln sorgen. Eine Arbeitsgruppe soll sich der Thematik nun annehmen und nach Lösungen suchen. Denn sonst könnten Tracklimits die WM entscheiden. Und das will keiner.

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