Forderung nach breiterer Beteiligung bei neuem Nahverkehrsticket

BERLIN (dpa-AFX) -Verbraucherschützer und Fahrgastvertreter fordern eine breitere Beteiligung von Verbänden an den Vorbereitungen für das geplante bundesweite Ticket im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Ausgestaltung des ÖPNV im Sinne der Verkehrswende sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dazu gehöre, dass auch beim Ausbau des Angebots Verbraucherbedürfnisse stärker eingebracht werden. "Dafür fordern wir einen Runden Tisch."

Einbezogen werden sollten auch andere Vertreter wie Jugend-, Senioren- und Behindertenverbände, forderten der vzbv, der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Verbraucherinteressen dürften nicht unter die Räder kommen. Unter anderem müsse das künftige "Deutschlandticket" für alle einfach zu erwerben sein.

Das bundesweit nutzbare Ticket für Busse und Bahnen im Nahverkehr mit einem Einführungspreis von 49 Euro im Monat soll im neuen Jahr kommen und an die beliebten 9-Euro-Tickets aus dem Sommer anknüpfen. Der Starttermin ist noch offen. Vorgesehen ist von Bund und Ländern ein digital buchbares Angebot. Viele Modalitäten sind noch zu klären.

Die VCD-Vorsitzende Kerstin Haarmann sagte: "Das beste Ticket nützt nichts, wenn es den Leuten schwergemacht wird, sich eines zu kaufen." Der Zugang müsse daher so einfach wie möglich gestaltet werden - mit wenigen Klicks zum Onlineticket und einfacher Buchung am Automaten oder Schalter.

Der Vorsitzende von Pro Bahn, Detlef Neuß, mahnte unter anderem auch rasche Klärungen zur Mitnahme von Fahrrädern, Kindern, weiteren Personen und Hunden an. Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, sagte der "Bild"-Zeitung, es sei wichtig, dass die Online-Formulare barrierefrei seien. "Außerdem sollten diese Abos nicht nur online abgeschlossen werden können, sondern auch am Ticket-Schalter oder in den Kundenzentren. Das ist wichtig für alle Menschen, die aus verschiedenen Gründen keinen Zugang zum Internet haben."

Der Deutsche Städtetag rechnet nicht mit einer baldigen Einführung des 49-Euro-Tickets. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte der "Rheinischen Post" (Freitag): "Die gedeckelten Mittel für das Ticket reichen nicht, um es bundesweit zu starten und die Einnahmeverluste der Verkehrsunternehmen auszugleichen." Bund und Länder müssten nun zusagen, "dass sie die realen Ticket-Kosten tragen. Wenn der Topf von drei Milliarden Euro jährlich alle ist, müssen sie nachschießen", forderte Dedy.