Darum fordern SAP, Ikea und Aldi Süd mehr Klimaschutz von der künftigen Bundesregierung

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Windenergieanlagen im Windpark "Odervorland" im Landkreis Oder-Spree in Ostbrandenburg
Windenergieanlagen im Windpark "Odervorland" im Landkreis Oder-Spree in Ostbrandenburg

69 deutsche Unternehmen haben sich am Montag mit einem Appell an die neue Bundesregierung, deren Parteien sich derzeit vor vertiefenden Sondierungen befinden, gewendet. Die Unternehmen fordern darin eine "Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität". Der "Spiegel" berichtete zuerst darüber. Initiiert wurde der Appell von der Unternehmerinitiative "Stiftung 2 Grad", die sich laut eigenen Angaben "für effektiven und marktwirtschaftlich organisierten Klimaschutz" einsetzt.

Um Deutschland bis 2045 zu einem klimaneutralen Industrieland zu machen und bis 2030 die Emissionen um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren, bräuchten die Unternehmen "unbedingt politische Rahmenbedingungen, die klimafreundliche Technologien wirtschaftlich machen, nachhaltige Geschäftsmodelle fördern und langfristige Planungssicherheit bieten". In dem Papier fordern die Unternehmen unter anderem, bei den Stromkosten deutlich entlastet zu werden, den Ausbau erneuerbarer Energien massiv zu beschleunigen und mit weiteren Maßnahmen die "Voraussetzungen für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung deutlich vor 2038 zu schaffen".

Zu den Unterzeichnern gehören Dax-Schwergewichte wie SAP, Adidas, Allianz, Bayer, die Deutsche Telekom und die Deutsche Wohnen. Auch bekannte Handelsunternehmen wie die Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland), Aldi Süd, Rewe, die Otto Group und Rossmann sind vertreten. Aber auch Ikea, Hugo Boss oder Eon.

Business Insider hat bei mehreren Unternehmen nachgefragt, warum sie sich dem Appell angeschlossen haben, was sie konkret von der künftigen Bundesregierung erwarten, inwiefern die Umsetzung wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist, was sie sich davon für ihr eigenes Unternehmen erhoffen und was sie selbst in Sachen Klimaschutz tun.

"Die Zeit drängt"

Marcus Wagner, Umweltmanager bei SAP, teilte Business Insider mit, der Schutz des Klimas sei "eine der, wenn nicht gar die größte und wichtigste Herausforderung des 21. Jahrhunderts". SAP wolle seiner Verantwortung gerecht werden und einen Beitrag zum Schutz des Klimas leisten. "Die Zeit drängt – deshalb brauchen wir schnell eine Regierung, die gewillt und in der Lage ist, konsequent und zügig zu handeln", so Wagner. Im globalen Wettbewerb den Anschluss zu halten und den Klimawandel einzudämmen, seien anspruchsvolle Unterfangen. SAP wolle bis 2023 CO2-neutral sein. Seinen Kunden böte SAP "schon seit vielen Jahren Software für Nachhaltigkeitsthemen an", mit denen sie zum Beispiel ihren CO2-Fußabdruck auswerten könnten.

Von der Otto Group heißt es, man dürfe keine Zeit mehr verlieren, "um der Erderwärmung entschlossen entgegenzutreten". Das Unternehmen selbst wolle bis 2030 klimaneutral in den eigenen Geschäftstätigkeiten werden. Die positive Entwicklung sei auf verschiedene Gründe zurückzuführen, so habe das Unternehmen etwa eigene erneuerbare Energien an den Standorten sukzessive ausgebaut, die Warenbeschaffung auf den Produktionsländern von der Luftfracht systematisch auf CO2-ärmere Transporte verlagert oder Anreize für den Vorstand für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen gesetzt.

"Das wichtigste Jahrzehnt in der Menschheitsgeschichte"

Vom Möbelriesen Ikea heißt es gar, das aktuelle Jahrzehnt sei "das wichtigste Jahrzehnt in der Menschheitsgeschichte". Und weiter: "Uns bleiben weniger als zehn Jahre Zeit und wir alle werden gebraucht, um die Klimakrise zu bewältigen", teilte eine Sprecherin Business Insider mit. "Der Nutzung von erneuerbaren Energien in unseren Betrieben und in der gesamten Wertschöpfungskette" komme eine große Bedeutung zu. Ikea verweist darauf, in Deutschland vier Windparks an Land und zu einem Viertel einen Offshore-Windpark zu besitzen. Hierzulande erzeuge das Unternehmen bereits mehr erneuerbare Energie, als im Betrieb verbraucht werde.

Laut Aldi Süd nehme der Klimaschutz in der Unternehmensstrategie eine zentrale Rolle ein. Gemeinsam mit den anderen Unterzeichnern wolle das Unternehmen "im Rahmen der aktuellen Regierungsbildung ein Zeichen für eine ambitionierte Klimaschutzpolitik der neuen Bundesregierung setzen". Konkret fordert Ali Süd "verbesserte Rahmenbedingungen für den Aufbau und Betrieb von Photovoltaik-Anlagen sowie einen Innovationsschub bei klimafreundlichen Antriebstechnologien im Schwerlastverkehr". Das Unternehmen betont: "Wo immer möglich, versuchen wir, Emissionen zu vermeiden oder zu verringern, um so zum globalen Klimaschutz beizutragen."

Ein Adidas-Sprecher teilte mit, das Unternehmen werde 2025 an seinen eigenen Standorten klimaneutral sein. Zwischen 2015 und 2020 hätten die CO2-Emissionen an den Standorten bereits um mehr als 50 Prozent reduziert werden können.

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