"Forbes" wirft US-Handelsminister Ross Lüge über sein Vermögen vor

Nach der Kritik an US-Handelsminister Wilbur Ross im Zusammenhang mit den Enthüllungen durch die "Paradise Papers" hat das einflussreiche US-Wirtschaftsmagazin dem Minister vorgeworfen, bei seinen Angaben zu seinem Vermögen gelogen zu haben

Nach der Kritik an US-Handelsminister Wilbur Ross im Zusammenhang mit den Enthüllungen durch die "Paradise Papers" hat das einflussreiche US-Wirtschaftsmagazin dem Minister vorgeworfen, bei seinen offiziellen Angaben zu seinem Vermögen gelogen zu haben. "Es scheint klar, dass Ross uns angelogen hat", schrieb "Forbes" auf seiner Website. Er habe sein Vermögen deutlich übertrieben und sei offenbar doch kein Milliardär.

Vergangenes Jahr hatte Ross auf der "Forbes"-Liste der reichsten US-Bürger mit einem geschätzten Vermögen von 2,9 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) gestanden, wobei sich das Magazin auf die Angaben des Politikers berief. Bei der Prüfung der Dokumente, die Ross im Zuge seiner Ernennung zum Minister eingereicht hatte, habe sich aber ein Vermögen von weniger als 700 Millionen Dollar ergeben. Eine einmonatige Recherche habe ergeben, dass etwa zwei Milliarden Dollar schlichtweg nicht existieren.

"Forbes" warf Ross eine Reihe von "Schwindeleien, Übertreibungen, Weglassungen, Fälschungen und große Lügen" seit dem Jahr 2004 vor. Eine Untersuchung der Geldgeschäfte des heutigen Handelsministers habe ein Muster von Unehrlichkeit gegenüber Investoren und Kollegen ergeben, das viele Rechtsstreitigkeiten sowie Strafen und Rückerstattungen in Millionenhöhe nach sich gezogen habe.

Ein Sprecher des Handelsministeriums in Washington wies die Schlussfolgerungen des Wirtschaftsmagazins zurück. "Der 'Forbes'-Artikel zitiert frühere Mitarbeiter ohne vollständige Kenntnisse und alle bis auf einen anonym - wir werden nicht weiter darauf reagieren", schrieb der Sprecher in einer E-Mail. Die Offenlegung von Ross' Finanzen im Rahmen des Nominierungsprozesses sei von Rechtsberatern zusammengestellt worden, versicherte der Ministeriumsspreceher. Dabei seien die geltenden Regeln beachtet worden.

Ross ist bereits wegen der Enthüllungen über seine Geschäftsbeziehungen nach Russland unter Druck. Laut "Süddeutscher Zeitung", die mit International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) Daten zu Offshore-Investitionen auswertete, hält Ross über verschiedene Fonds auf den Kaimaninseln 31 Prozent an der Reederei Navigator, die den russischen Energiekonzern Sibur zu ihren größten Kunden zählt.

Sibur wird von Vertrauensleuten des russischen Präsidenten Wladimir Putin, darunter der mit US-Sanktionen belegte Geschäftsmann Gennadi Timschenko, und seinem Schwiegersohn Kirill Schamalow kontrolliert. Diese Verbindung sei dem US-Senat offenbar nicht bekannt gewesen, als er Ross Anfang 2017 für das Ministeramt bestätigt habe, berichtete die "SZ".

Bei Amtsantritt reduzierte Ross laut den sogenannten Paradise Papers seine persönliche Beteiligung an Navigator. Doch werden seine Investitionen nach US-Angaben immer noch auf zwei bis zehn Millionen Dollar (1,7 bis 8,6 Millionen Euro) geschätzt.

Ross sagte dazu am Montag dem britischen Sender BBC, es gebe an dieser Investition "nichts Ungehöriges". Er werde aber "wahrscheinlich" seine restlichen Anteile an Navigator abgeben.