Footballer tot - so gnadenlos ist Marylands Horror-Uni

Stefan Schnürle
Headcoach DJ Durkin ist seinen Job bei den Maryland Terrapins zumindest vorerst los

Jordan McNair zeigte extreme Anzeichen von Erschöpfung. Der 19-Jährige hatte sogar Schwierigkeiten, aufrecht zu stehen. Wie später festgestellt wurde, lag seine Körpertemperatur zum Zeitpunkt seines Todes bei 41 Grad Celsius.

Dennoch dachte er am 29. Mai diesen Jahres beim Football-Training der University of Maryland nicht ans Aufhören, absolvierte stattdessen weitere 110-Yard-Sprints, muss sogar gestützt werden - bis er auf einmal zusammenbrach und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Zwei Wochen später verstarb McNair dort – die offizielle Todesursache wurde nicht veröffentlicht, doch laut ESPN war es ein Hitzschlag, den er während des Trainings erlitten hat.

Hochgiftige Atmosphäre in Maryland

Doch warum wollte McNair unter keinen Umständen aufhören? Warum schaltete sich niemand im Trainerstab ein und stoppte den Teenager?

In den Wochen nach dem tragischen Zwischenfall haben sich ehemalige, aber auch aktive Spieler sowie Personen aus dem Umfeld des Football-Programms in Maryland anonym gegenüber ESPN geäußert – und dabei kam reichlich Schockierendes ans Licht.

Glaubt man den Berichten der Augenzeugen, war die Atmosphäre unter Marylands Coach DJ Durkin hochgiftig. Dies soll auch an Konditionstrainer Rick Court gelegen haben, der eine der ersten Personen war, die von Durkin 2015 eingestellt wurden.

Ihre Trainings-Philosophie basierte auf Angst und Einschüchterung. So soll einem Spieler vor allen Teamkollegen das Essen aus der Hand geschlagen worden sein. Bei anderen Gelegenheiten wären sogar kleinere Gewichte und andere Gegenstände in die Richtung der Spieler geflogen. 

"Es war erniedrigend. Er war die ultimative Form von Erniedrigung", wird ein Mitglied des Trainerstabs zitiert, der Court als "sehr aggressiv" beschreibt.

Die Spieler sollen häufig beleidigt worden sein und sahen sogar ihre Männlichkeit in Frage gestellt, wenn sie ein Workout nicht wie gewünscht absolvierten oder ein Gewicht nicht stemmen konnten. Ein Spieler wurde selbst dann noch verspottet, nachdem er während einer Einheit ohnmächtig geworden war.

Selbst den später verstorbenen McNair hätten zwei Teamkollegen noch beim 100-Yard-Lauf gestützt - während Athletik-Trainer Wes Robinson sie anbrüllte: "Schleppt seine Arsch über das Feld."

Spieler kritisieren Durkin und Court

Durkin und Court arbeiteten laut einigen Spielern eng zusammen: "Üblicherweise suchten sie sich ein paar Leute aus, die sie für weich hielten und gingen auf sie los. Sie stachelten sich an. Court ist genauso verantwortlich für die Atmosphäre wie Durkin."

Die Demütigung von Spieler gehörte sowieso zur Tagesordnung. Einen Spieler, der den Trainern zu dick war, zwangen sie dazu Schokoriegel zu essen, während er seinen Teamkollegen beim Training zusah. Stärker kann man das Standing eines Spielers innerhalb eines Teams wohl kaum zerstören.

Essen wurde den Erzählungen häufiger als Strafe eingesetzt. Ein Spieler verriet, dass er so lange zum Essen gezwungen wurde, bis er sich übergeben musste. Ein ehemaliges Mitglied im Trainerstab Marylands wird mit den Worten zitiert: "Ich würde niemals im Leben meinen Kinder erlauben, dort trainiert zu werden."

Ein weiteres Ex-Mitglied sagte, dass er es zwar erlebt habe, wie Trainer Spieler anschreien - doch er habe noch nie eine Atmosphäre wie in Maryland erlebt. "Die Sprache ist profan und erniedrigend teilweise. Es ist hart mit anzusehen. Wenn es dein Sohn wäre, würdest du nicht wollen, dass irgendjemand so mit ihm spricht." 

Maryland stellt Coach Durkin frei

Offizielle wollte sich aus Maryland während der andauernden Untersuchung niemand näher äußern, auch Durkin und Court gaben keine Erklärung ab. Allerdings wurde bekannt gegeben, dass Chefcoach Durkin sowie einige Mitglieder der Fitnessstabs mit Bezahlung vom Dienst freigestellt wurden.

Jordan McNair hilft das nicht mehr. Mehrere aktuelle Spieler sagten, dass aufgrund der Atmosphäre die Spieler sich gezwungen sahen, ein Training bis zum Ende durchzuhalten – egal, mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten.

Ein Spieler fasste McNairs Dilemma folgendermaßen zusammen: "Jordan wusste, dass sie seine Männlichkeit in Frage stellen, wenn er aufhören würde. Er wäre ihre Zielscheibe geworden. Er musste also weitermachen - bis er nicht mehr konnte."