Warum der Food-VC von Katjes plötzlich Millionen von der Crowd will

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Katjes stellt ausschließlich vegetarische Süßigkeiten her. Darauf achtet auch der VC Katjes Greenfood.
Katjes stellt ausschließlich vegetarische Süßigkeiten her. Darauf achtet auch der VC Katjes Greenfood.

Der Risikokapitalgeber Katjes Greenfood hat eine ganz besondere Nische: Es bekommen nur Startups Geld, die vegetarische und nachhaltige Lebensmittel herstellen. In der Vergangenheit waren das etwa die vegane Supermarktkette Veganz, Haferkater mit seinen Porridge-Cafés oder Backmischungen von Sarah Michelle Gellars Firma Foodstirs. Bis zu zwei Millionen Euro steckt die Beteiligungsgesellschaft von Katjes in Startups. Das Geld kam bisher von dem Süßwarenhersteller, das Greenfood-Team hat sich um die Betreuung gekümmert.

Nun möchte der VC aber etwas anders ausprobieren und hat eine Crowdinvesting-Kampagne gestartet. Mindestens eine Million Euro sollen in knapp drei Monaten zusammenkommen, Ziel sind aber drei Millionen Euro. Das Nachrangdarlehen läuft über fünf Jahre, wobei die Anleger einen jährlichen Zins von fünf Prozent ausgezahlt bekommen. Zielgruppe der Kampagne sei „jeder, der sich für Katjes Greenfood begeistert“, so CFO Marius Rodert zu Gründerszene.

„Mittelfristig“ an die Börse

Katjes Greenfood wolle sich der breiten Masse vorstellen und Privatpersonen die Möglichkeit geben, indirekt in nachhaltige Food-Startups zu investieren – abseits von Oatly-Aktien. Wieso? „Wir möchten mit unseren Investoren in einen Dialog treten“, so Rodert. Was sich der VC davon verspricht und aus dem Diskurs mitnehmen will, bleibt offen. Demnächst wolle sich Greenfood allerdings in eine AG umwandeln, um „mittelfristig“ an die Börse zu gehen. Es ist also anzunehmen, dass sich der VC schon einmal nach Aktionären umsieht.

Etwa 1,4 Millionen Euro der Crowdinvesting-Summe soll laut Vermögensanlagen-Informationsblatt Haferkater und der SG Sugar Daddies GmbH zugeführt werden, der Firma hinter Marken wie Cookie Bros. und O-Mochi. Katjes Greenfood beteiligte sich bei beiden Startups im Frühling bei einer Anschlussfinanzierung. Die restliche Million rechnet die Beteiligungsgesellschaft für operative Ausgaben mit ein.

Bald erster IPO eines Portfolio-Unternehmens

Insgesamt zwölf Unternehmen befinden sich im Portfolio von Katjes Greenfood, einige wenige wurden bereits eingestellt. „Ich bin mir sicher, dass in den nächsten ein bis drei Jahren Exits kommen“, so Rodert. Veganz plant etwa einen Börsengang im Frankfurter Freiverkehr. Das heißt, die Aktie wird nicht am regulierten Markt gelistet, – wo sich etwa Tech-Firmen wie About You befinden – sondern es gibt weniger Rechte und Pflichten. Noch hält der Katjes-Investor knapp acht Prozent an Veganz, Edeka hat vergangene Woche aber bereits seine Anteile abgetreten, wie die Lebensmittel Zeitung schreibt. Auch für die Anleger würde ein Exit ein Bonus bedeuten. Laut Rodert will Katjes Greenfood seine Veganz-Beteiligung erst einmal nicht veräußern.

Der letzte Neuzugang in der Greenfood-Familie war der Hundefutterhersteller Vegdog im August 2020. Seitdem ist nicht viel passiert. „Wir gucken uns nach wie vor viel an und haben das Ziel, unser Portfolio in diesem Jahr zu erweitern“, sagt der CFO. Der VC wolle nicht nur Geld geben, sondern die Startups beim Aufbau unterstützen. Weil das Team nur aus vier Leuten besteht, gäbe es aber nicht unendlich Kapazitäten. Deshalb ist der Investor im März von Berlin nach Düsseldorf gezogen, an einen der Katjes-Standorte. Da Greenfood in den vergangenen Jahren ohnehin eng mit seiner Schwesterfirma Katjes International gearbeitet und Experten aus Marketing sowie Vertrieb mit seinen Startups verbunden habe, sei dieser Schritt nur logisch gewesen, sagt Rodert.

Im Zuge dessen ist Katjes-Greenfood-Mitgründerin und CEO Manon Littek aus dem Unternehmen ausgeschieden. Sie hat den Kapitalgeber 2016 mit CMO Volker Weinlein aufgebaut. Weinlein kümmert sich mittlerweile nur noch um die Marketingangelegenheiten des Süßwarenherstellers. Für sein Venture-Geschäft hat Katjes Brand Manager Jesko Thron zum Greenfood-CMO befördert. Rodert und Thron bilden nun allein die Geschäftsführung. „Aufgrund der wachsenden Bedeutung innerhalb der Gruppe liegt die operative und strategische Führung von Katjes Greenfood jetzt direkt bei den geschäftsführenden Gesellschaftern Bastian Fassin und Tobias Bachmüller“, sagt Rodert. Daher gebe es keinen Bedarf mehr, den CEO-Posten neu zu besetzen.

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