Folter-Skandal in Russland

Nach Bekanntwerden eines Folterfalls in einem russischen Provinzgefängnis werden sechs Wärter angeklagt. Auch die Leitung des Gefängnisses in Jaroslawl nordöstlich von Moskau werde befragt.

Der Fall war in der vergangenen Woche bekannt geworden: Eine russische Investigativzeitung hatte im Internet ein Video veröffentlicht, in dem ein Häftling zu sehen ist, der von mehreren uniformierten Männern misshandelt wird.

Die Opferanwältin Irina Birjukowa musste Russland mittlerweile wegen Angst vor Vergeltungsaktionen der beteiligten Folter-Wärter verlassen: "Sobald wir dieses Video erhalten haben, haben wir beschlossen, es zu veröffentlichen. Wir waren zutiefst geschockt. Als ich die Datei zum ersten Mal öffnete, konnte ich nur die ersten 10 Sekunden ohne Ton sehen und konnte dann nicht mehr. Später hat unsere Organisation entschieden, dass es definitiv veröffentlicht werden muss."

Die Anwältin der Menschenrechtsorganisation "Public Verdict" hatte die russischen Behörden um Schutz für sich und ihre Familie gebeten. Solange ihr Antrag geprüft wird, will sie im Ausland bleiben.

Das von der "Nowaja Gaseta" veröffentlichte Video wurde innerhalb einer Woche im Internet über 2,3 Millionen Mal aufgerufen. Die Redaktion weist darauf hin, dass es Gewaltszenen enthält und warnt: "Menschen mit einer unausgeglichenen Psyche, Schwangeren und Minderjährigen wird abgeraten, das Video anzusehen."

Die Aufnahmen zeigen, wie der Gefangene Makarow in der Haftanstalt Nr. 1 der Region Jaroslawl von Wärtern gequält wird. Er liegt mit dem Gesicht nach unten auf dem Tisch und wird mit Schlagstöcken geprügelt. Aus einem Eimer wir ihm Wasser über den Kopf gegossen. Der Zeitung zufolge wurde das Video bereits Ende Juni 2017 aufgenommen.

Hier der Link zu dem Foltervideo. Achtung, der Inhalt kann verstörend sein.