Follow the Money: Drei Ideen, wie mehr Diversität in Startups gelingen kann

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Diversere Teams sind erfolgreicher.
Diversere Teams sind erfolgreicher.

Ein Gastbeitrag von Katrin Bacic, Chief Strategy Officer bei Wayra Deutschland, dem Innovationszentrum und Frühphasen-Investment-Arm von Telefónica Deutschland

Startups sind noch immer eine Domäne weißer Männer, dass zu wenige Frauen gründen, hören wir oft genug. Ein Aspekt, der allerdings häufig unerwähnt bleibt, ist dass selbst die wenigen von Frauen gegründeten Startups meist nicht in derselben Liga spielen wie jene ihrer männlichen Kollegen. Laut Female Founders Monitor 2020 beschäftigen nur noch magere drei Prozent der weiblich gegründeten Startups mehr als zehn Personen. Und: Frauen bekommen weniger Risikokapital, was ihnen den Aufstieg in der Startup-Szene erschwert.

Einer der wesentlichen Gründe für dieses Bild ist, dass die Geldgeber beim Thema Diversität ähnlich aufgestellt sind wie die Startups selbst. So gibt es in Deutschland vergleichsweise wenige Investorinnen, die Gründungen finanzieren. Und Männer investieren vor allem in Startups, die von Männern gegründet oder geführt werden. Ich bin überzeugt, dass sich ein grundlegender Wandel hin zu mehr Diversität nur erreichen lässt, indem man dieses Thema strukturell in den fördernden und finanzierenden Institutionen verankert. Dazu sind drei Dinge nötig.

1. Diversität muss Chefsache werden

Damit sich bei Investoren und Förderprogrammen überhaupt etwas ändert, muss das Thema per Verordnung ganz oben auf die Agenda gesetzt werden. Hier gilt es, Diversität als festen Wert und Zielgröße zu verankern und konkrete Maßnahmen für die Umsetzung zu bestimmen, die regelmäßig überprüft werden. Zusätzlich sollte im Vorstand eine verantwortliche Person benannt werden, die die Umsetzung sicherstellt. Letztlich ist es wie bei anderen aktuell wichtigen Themen, zum Beispiel der Nachhaltigkeit: Solange ein gewünschter Kurs nicht im eigenen Haus verankert und vorgelebt wird, ändert sich auch nichts bei Partnern, Kunden – oder eben den geförderten Startups.

2. Auch VCs brauchen Quoten

Wer sich diverser aufstellen will, kommt an der Quote nicht vorbei, das gilt für kleine wie große Unternehmen – und eben auch für Venture-Capital-Firmen und Förderprogramme. Rein männliche Jurys, vor denen Startups pitchen müssen, gelten schon länger als No-Go. Bei öffentlichkeitswirksamer Präsenz, zum Beispiel von staatlichen Förderprogrammen, sind sie ein sicherer Weg in den Shitstorm. Deshalb sollte darauf geachtet werden, Vorstände, Teams und Jurys per festgelegter Quote divers zu besetzen. Uns zwar nicht wegen des Shitstorms, sondern weil diverse Teams erfolgreicher sind.

3. KPIs müssen an Diversität geknüpft werden

Damit Missverhältnisse, die dadurch zustande kommen, dass männliche Investoren meist männliche Gründer unterstützen, überwunden werden können, muss Diversität in den internen Zielsetzungen eine Rolle spielen. So können KPIs verankert werden, die an das Scouting divers geführter Startup-Teams geknüpft sind. Zudem sollten entsprechende Auflagen für die Vergabe von Investments und Förderungen vergeben werden, zumindest zum Teil. Dadurch kann sichergestellt werden, dass divers aufgestellte Startups stärker gefördert werden und dieser Faktor für Gründerinnen und Gründer relevanter wird.

Klare Vorgaben aus dieser Richtung unterstützen Startups dabei, Diversität von der Gründung an mitzudenken. Denn naturgemäß sind Gründerinnen und Gründer stark auf ausschließlich jene Aspekte fokussiert, die sie beim Wachstum weiterbringen. Wenn die Vorgaben und Bedingungen stimmen, wird der Raum für Veränderungen hin zu einer diversen Startup-Kultur größer und der Druck zu Handeln steigt. Wie viel Prozent der Teammitglieder sind weiblich? Wie hoch ist der Anteil weiblicher Führungskräfte? Was tut das Startup, um Diversität zu fördern? Diese und ähnliche Fragen vonseiten der zukünftigen Geldgeberinnen und Geldgeber sollten sich Gründungsteams künftig gefallen lassen müssen, wenn sie es auf eine externe Finanzierung abgesehen haben.

Wenn ein echter Wandel stattfinden soll, können wir nicht ernsthaft darauf warten, dass sich Startups in einer Art Wettkampf durchsetzen bis auch der Letzte gemerkt hat, dass weibliche oder gemischte Teams erfolgreicher sind als die rein männlichen. Vielmehr müssen Veränderungen strukturell angegangen werden – und am wirkungsvollsten ist es wie fast immer, wenn das Geld die Vorgaben macht. Mehr Diversität? Follow the money. Geht man dabei mit Köpfchen vor und nicht verbohrt ideologisch, profitieren am Ende alle: Investorinnen, Gründer und Kunden – die gesamte deutsche Startup-Landschaft.

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