Die Folgen des Neuer-Schocks

Kerry Hau

Bei Manuel Neuer war die Vorfreude auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Klub Schalke 04 groß - bis zum Abschlusstraining am Montag.

Der Torhüter des FC Bayern musste die Einheit plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht abbrechen. Er verletzte sich ohne Fremdeinwirkung am Fuß.

Keine 24 Stunden später bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen: Mittelfußbruch, Operation, drei bis vier Monate Pause.

Der Rekordmeister muss für den Rest der Hinrunde auf seinen Rückhalt und Kapitän verzichten.

SPORT1 erklärt, welche Folgen der Neuer-Schock hat:

- Für die Torhüter-Position

Sven Ulreich wird in Abwesenheit des Welttorhüters die vorläufige Nummer eins des FCB.

Der Ersatzkeeper erwies sich zuletzt als zuverlässig - vor allem im Supercup gegen Borussia Dortmund Anfang August, als er mit zwei parierten Elfmetern zum Matchwinner avancierte.

In der vergangenen Saison wirkte der 29-Jährige hingegen nicht immer sattelfest. Auch deshalb stand im Sommer ein Abschied im Raum.

Die Bayern-Bosse hatten ihre Zweifel an seinen Fähigkeiten. Es gab Gerüchte um eine Verpflichtung einer neuen Nummer zwei, Lukas Hradecky von Eintracht Frankfurt galt als heißer Kandidat.


In Neuers erneuter Abwesenheit bieten sich Ulreich nun mehrere Gelegenheiten, seine Vorgesetzten endgültig von sich zu überzeugen.

An schwierigen Aufgaben wird es ihm nicht mangeln, geht es in den nächsten Wochen immerhin gegen Schwergewichte wie Paris Saint-Germain, den BVB sowie in Pokal und Meisterschaft gegen RB Leipzig.

Klar ist dabei auch: Ulreich muss fit bleiben. Denn der nominelle dritte Mann, Christian Früchtl, ist erst 17 Jahre alt und fährt nach jetzigem Stand am 6. Oktober mit Deutschlands U17 zur Weltmeisterschaft nach Indien. 

Im Ernstfall könnten die Bayern noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden. Gute vertragslose Keeper sind allerdings rar gesät.

Eine Reaktivierung von Jugend-Torwarttrainer Tom Starke scheint daher die sinnvollste Alternative. 

Der 36-Jährige reiste schon im Sommer mit zur Vorbereitung nach Asien und demonstrierte mit tollen Reflexen im Testspiel gegen den FC Arsenal, dass er noch voll im Saft steht.

- Für die gesamte Mannschaft

Neuers Ausfall schmerzt den Rekordmeister nicht nur aus sportlicher Sicht.

Er ist der Kapitän und einer der wenigen Spieler, die nach den Rücktritten von Philipp Lahm und Xabi Alonso vorangehen.


Mit Thomas Müller übernimmt zwar auch ein Führungsspieler und Publikumsliebling die Binde, der Angreifer ist unter Trainer Carlo Ancelotti jedoch keineswegs gesetzt.

Wer kommt sonst noch als Bayern-Leader in Frage? 

Jerome Boateng ist nach seiner langen Verletzung in erster Linie mit sich selbst beschäftigt. Franck Ribery und Arjen Robben waren schon immer eher Einzelgänger.

Bleibt also eigentlich nur noch Mats Hummels.

Der Innenverteidiger besitzt nach vielen Jahren in der Nationalmannschaft und als früherer BVB-Kapitän zweifellos Führungsqualitäten, ist aber eben erst ein Jahr wieder in München.

- Für Neuer persönlich

Der zweite Mittelfußbruch innerhalb von sechs Monaten: Für Neuer ist das Seuchen-Jahr 2017 perfekt.

Nach Vereinsangaben soll er im Januar wieder auf dem Platz stehen. Sportmediziner Dr. Michael Lehnert mahnt den 31-Jährigen im Gespräch mit SPORT1 allerdings, sich bei der Rehabilitation in Geduld zu üben.

"Es ist ja nicht nur das Return-to-Training. Man ist ja oft schnell wieder zurück im Training. Entscheidend ist das Return-to-Competition. Er braucht Schritt für Schritt Spielpraxis - und nicht zu viel auf einmal", sagt Lehnert.

Ansonsten riskiere er einen weiteren Rückschlag - und damit auch die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Russland.

"Neuer ist aufgrund seiner bisherigen Leistungen in der Nationalmannschaft sicherlich kein Spieler, der um seinen Platz bangen muss", sagt Lehnert: "Aber er muss natürlich fit sein."