Folge des Klimawandels? 2019 erster Jahrgang ohne Eisweinlese

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Werden wir in Zukunft auf Eiswein verzichten müssen? Der Weinjahrgang 2019 ist der erste überhaupt ohne Eisweinlese. Grund sind die milden Temperaturen.

Die Winter sind zu mild für Einwein. (Bild: Getty Images)

Zu den Folgen des Klimawandels gehört sehr wahrscheinlich der milde Winter. Auch in dieser Saison hat es kaum geschneit und nur selten gab es Frost. Zu spüren bekommen das vor allem die Erzeuger von Eiswein. Aufgrund der milden Temperaturen sind sie aktuell mit dem Maximalschaden konfrontiert. Die Eisweinlese fällt für sie dieses Jahr komplett aus.

"Aufgrund des milden Winters wurde in keinem deutschen Weinbaugebiet die für eine Eisweinlese erforderliche Mindesttemperatur von minus sieben Grad Celsius erreicht", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) am Sonntag. "Und die kommenden Tage lassen ebenfalls keine frostigen Nächte mehr erwarten."

Dabei ist nicht nur der milde Winter Schuld am Totalausfall der Ernte. Auch die immer heißeren Sommer werden zum Problem, weil die Trauben deutlich früher reif sind. "Dadurch wird der Zeitraum, den die Trauben in einem gesunden Zustand bis zu einer möglichen Eisweinlese überstehen müssen, immer länger", erklärt das Weininstitut.

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Es fehlt der Frost

Der Weinjahrgang 2019 gehe als erster in die Geschichte ohne Weinlese sein, heißt es weiter. Damit ist das eingetreten, was sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet hatte. Gefrorene Trauben für die beste Weinqualität konnten zuletzt nur punktuell geerntet werden, gibt das DWI an. Im Jahrgang 2017 hätten beispielsweise nur sieben Erzeuger Eiswein geerntet. Auch Eiswein aus 2014 sei eine "absolute Rarität".

Der Eiswein gilt als historisch deutsches Produkt, das wohl erstmals 1830 hergestellt wurde. Die reifen Trauben werden bis in den tiefsten Winter an der Rebe gelassen, was ein großes Risiko darstellt. Dafür allerdings galt der deutsche Eiswein bislang stets als besondere Spezialität und große Rarität.

Der deutsche Winter erreichte 2019/20 bisher einen Schnitt von 4,1 Grad Celsius. Das ist absoluter Höchstwert: Seit 2011 lagen die Durchschnittswerte für einen deutschen Winter zwischen maximal 3,6 (2016) und -0,6 (2011) Grad Celsius. Der Schnitt über die letzten zehn Jahre beträgt 1,4 Grad Celsius.