Der Anleger, der sich nicht traut

Nachdem der Dax sich den gesamten Tag über um die 13.000-Punkte-Marke bewegte, fiel er kurz vor Börsenschluss ab. Im Fokus der Händler stand die Lufthansa. Größere Veränderungen könnte die morgige EZB-Sitzung bringen.


Zuschauen und abwarten– das scheint aktuell die Devise der Frankfurter Anleger zu sein. Auch am Dienstag blieben große Bewegungen aus. Der Dax notierte am Nachmittag 0,2 Prozent fester bei 13.028 Punkten. Sein europäischer Pendant, der Euro-Stoxx-50 kam mit einem 0,1-Prozent-Plus und einem Stand von 3611 Zähler ebenfalls nicht recht voran. Seitdem den Anlegern vor anderthalb Wochen der historische Sprung über die 13.000-Punkte-Marke gelang, müht sich der Dax am Meilenstein ab. Es geht weder runter noch rauf.

Der Deutsche Aktienindex pendelt um die 13.000 Punkte, Versuche eines Durchbruchs schlugen bisher fehl. Angesichts der anstehenden Notenbanksitzung geht man auf Nummer sicher. Denn wenn der Rat der Europäischen Zentralbank am Donnerstag zusammenkommt, geht es um nichts geringeres als einen möglichen Paradigmenwechsel der Geldpolitik. EZB-Chef Mario Draghi und seine Kollegen könnten eine erste Straffung ihres expansiven Kurses beschließen und damit vorgeben, wie ein Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik aussehen könnte. Eine Entscheidung um die Laufzeit des billionenschweren Anleiheprogramms muss ohnehin demnächst fallen, das Programm läuft im Dezember aus.


Bei so einem richtungsweisenden Entscheid möchte keiner auf dem Parkett auf dem falschen Fuß erwischt werden. Dementsprechend herrscht gerade Zurückhaltung. Zusätzlich ist es aber auch die Rally selbst, die ihren Tribut fordert. Eine solche Gipfeljagd wie auf die 13.000-Punkte-Marke ist anstrengend, seit Ende August legte der Dax knapp neun Prozent – mehr als 1000 Punkte – zu.

Und dennoch rechnen nicht wenige Experten mit weiteren Kursanstiegen. „Eine mögliche Korrektur der heißgelaufenen Börsen liegt in der Luft“, meint etwa Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst CMC Markets. „Aber gerade weil sie in der Luft liegt, wird sie eher nicht kommen.“

Viel werde seiner Ansicht nach auch davon abhängen, welches Tempo die Europäische Zentralbank auf dem Weg hin zu einer Normalisierung der Geldpolitik ankündigen wird. Er erwartet, dass die Notenbanker eher Vorsicht walten lassen, damit der Euro nicht zu stark werde und Europas Wirtschaft nicht ausbremse.


Auch das Dax-Sentiment, eine Handelsblatt-Umfrage unter mehr als 2600 Anlegern , signalisiert höhere Notierungen. „Ich würde für die kommenden Wochen auf weiter steigende Kurse setzen, jedoch die Positionen gut absichern“, meint Börsenexperte Stephan Heibel, der die Erhebung auswertet und interpretiert.

Absicherungen können Anleger durch enge Stop-Loss-Marken vornehmen, oder aber auch sogenannte Put-Positionen auf den Dax kaufen, die im Wert steigen, wenn die Kurse fallen. „Für Privatanleger, die aktiv handeln, halte ich aber Stop-Loss -Marken für angebracht.“


BASF auf den Verkaufszetteln


Die Vorgaben aus Übersee: Die Wall Street hat am Montag nach anfänglichen Rekordständen ihrem jüngsten Höhenflug Tribut gezollt. Am besten hielt sich noch der Dow Jones Industrial: Nach einem freundlichen Start behauptete sich der US-Leitindex noch geraume Zeit in positivem Terrain. Zum Schluss stand aber ein Minus von 0,2 Prozent auf 23 273 Punkte zu Buche.

Der marktbreite S & P-500-Index verabschiedete sich am Montag 0,4 Prozent tiefer bei 2564 Punkten aus dem Handel. An der Technologiebörse Nasdaq rutschte der Composite-Index um 0,6 Prozent auf 6586 Zähler ab. In Tokio hingegen setzt sich die Rally fort, der Nikkei notiert nach einem Plus von 0,2 Prozent auf dem höchsten Level seit 1996. Der chinesische Shanghai Composite stieg um 0,1 Prozent auf 3383 Punkte.


Der heutige Handelstag steht im Zeichen von Konzernbilanzen. Für den Frankfurter Handel war es wichtig, was für Zahlen Dax-Schwergewicht BASF präsentierte. Die Ludwigsburger profitieren weiter von höheren Verkaufspreisen in seinem Chemiegeschäft. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) stieg im dritten Quartal um 16 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro und lag damit auf dem Niveau der Analystenerwartungen. Der Umsatz erhöhte sich um neun Prozent auf 15,3 Milliarden Euro, wie der weltgrößte Chemiekonzern am Dienstag mitteilte.

Hier hatten die Experten im Schnitt mit 14,97 Milliarden Euro gerechnet. „Die Nachfrage hat sich auch im dritten Quartal anhaltend positiv entwickelt“, erklärte Konzernchef Kurt Bock. BASF bekräftigte seinen Jahresausblick, den das Unternehmen im Juli nach einem Gewinnsprung im zweiten Quartal nach oben geschraubt hatte. Die Papiere standen dennoch auf den Orderbüchern Verkauf und verloren ein Prozent. Dax-Konkurrent Merck gab im Sog 0,7 Prozent nach.

Zudem veröffentlicht der US-Autobauer General Motors (GM) neue Zahlen. Dabei dürfte GM auch die Schwächephase auf dem amerikanischen Automarkt deutlicher als bisher zu spüren bekommen. Analysten rechnen im Vergleich zum Vorjahr mit Rückgängen bei Umsatz und Gewinn. Für Bewegung an der Wall Street dürften auch die aktuellen Zwischenberichte diverser weiterer US-Konzern sorgen, etwa von Caterpillar, McDonald’s, United Technologies, 3M und Eli Lilly.


In Berlin treffen sich CDU, CSU, FDP und Grüne erstmals zu einer inhaltlichen Sondierung über eine Jamaika-Koalition. Nach der konstituierenden Sitzung des Bundestages kommt das Quartett am Abend (18.00 Uhr) in einer kleinen Runde zusammen, um über die Themen Finanzen und Steuern sowie Europa zu reden. Auf der Konjunkturseite stehen unter anderem die Einkaufsmanagerindizes des Markit-Insituts für Oktober in den Terminkalendern.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

KONTEXT

Die ersten zehn Dax-Jahre

1. Juli 1988

Der Dax feiert seinen Einstand. Rechnerisch startet er allerdings am 30. Dezember 1987 bei einem Stand von 1.000 Punkten.

16. Oktober 1989

Der erste schwarze Tag für den Dax: Er bricht im Sog der Wall Street um rund 13 Prozent ein.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt stark zu.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

28. November 1997

Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für "Exchange Electronic Trading" - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an.

7. März 2000

Befeuert von der Euphorie über die Entstehung des Internets erreicht der Dax ein Hoch von 8136,16 Punkten, das sieben Jahre lang hält.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA (World Trade Center und Pentagon) fällt der Dax um neun Prozent.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so niedrig wie im November 1995. Doch mit der Erholung der Weltwirtschaft wächst das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

13. Juli 2007

Mit 8151,57 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein - trotz erster Bankenpleiten und Not-Eingriffen der Europäische Zentralbank (EZB) am Geldmarkt.

15. September 2008

Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kehrt Ernüchterung ein. Im Oktober 2008 folgt ein schwarzer Tag auf den anderen. Zum September-Schluss verliert der Dax in der Spitze zeitweise 30 Prozent.

KONTEXT

Wie der Dax die 13.000-Punkte-Marke erreicht hat

9. März 2009

56 Prozent hat der Dax seit dem Hoch vom 13. Juli 2007 eingebüßt. Mit 3588 Punkten erreicht er zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch kurz darauf wirft die US-Notenbank Fed die Notenpresse an. Jetzt geht es bergauf.

5. Juni 2014

Die Entscheidung der EZB, die Zinsen weiter zu senken, treibt den Dax erstmals über die 10.000er Marke.

22. Januar 2015

Nach dem Vorbild der Fed wirft die EZB die Notenpresse an und schickt den Dax damit auf Rekordkurs. Am 16. März steigt der Index erstmals über 12.000 Punkte.

11. Februar 2016

Der Preisverfall an den Ölmärkten schürt Ängste vor platzenden Krediten im Finanzsektor. Der Dax fällt auf 8699 Punkte und liegt damit auf dem Niveau vom Oktober 2014.

31. März 2016

Das Minus im ersten Quartal 2016 beläuft sich auf gut sieben Prozent. Schon im März dreht aber die Stimmung, denn die US-Notenbank Fed verschiebt auch aus Rücksicht auf nahende Brexit-Abstimmung ihre Zinserhöhungen.

24. Juni 2016

Die Briten haben sich für den Austritt aus der EU entschieden und lösen an den Märkten einen allerdings kurzen Ausverkauf aus. Der Dax fällt um fast sieben Prozent, holt in den Folgewochen aber rasch wieder auf.

9. November 2016

Die US-Amerikaner haben Donald Trump zum Präsidenten gewählt. An der Wall Street schieben die Anleger vorher geäußerte Bedenken beiseite und setzen auf sinkende Steuern für Unternehmen und massive Infrastruktur-Investitionen. Der Dow-Jones geht auf Rekordkurs. In seinem Windschatten etabliert sich der Dax wieder in der Fünfstelligkeit.

Frühjahr 2017

Der Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich treibt auch den Dax immer höher.

12. Oktober 2017

Der Dax überspringt erstmals die Marke von 13.000 Punkten.