Airbus und Boeing brechen Milliarden-Aufträge aus dem Iran weg - was tun?

Martin Mrowka
1 / 3
Airbus: Großauftrag aus China wackelt

Weil die USA das Atom-Abkommen mit dem Iran aufgekündigt haben und höchstwahrscheinlich neue Sanktionen verhängen werden, müssen Airbus und Boeing Aufträge im Wert von fast 40 Milliarden Dollar abschreiben. Der US-Flugzeugbauer bleibt jedoch relativ gelassen. Die Auswirkungen auf Airbus wären größer.

Nachdem Barrack Obama 2016 die jahrelangen Sanktionen gegen den Iran mit dem neuen Atom-Abkommen aufgehoben hatte, bestellte die nationale Fluggesellschaft Iran Air 100 Flugzeuge mit einem Listenpreis von umgerechnet rund 16 Milliarden Euro bei der Airbus-Group. Beim US-Konkurrenten Boeing bestellte Iran Air 80 Flugzeuge für etwa 14 Milliarden Euro. Hinzu kam noch ein Deal über 30 Boeing-Jets, die an Aseman Airlines geliefert werden sollten. Bis 2025 sollten die Aufträge abgewickelt werden.

Bei Boeing noch nicht im Orderbuch geführt

Nur Airbus lieferte bereits drei Flugzeuge aus, bei Boeing kam es zu Verzögerungen. Die Deals wurden bei den Amerikanern - anders als beim europäischen Konkurrenten - wegen der hohen Ungewissheit der politischen Lage noch nicht im Orderbuch geführt. Boeing-Chef Dennis Muilenburg sagte, der Ausfall sei gut zu verkraften. Für die vereinbarten Verkäufe an iranische Fluggesellschaften seien ohnehin noch keine Produktionsplätze eingeplant gewesen. 

Auch Airbus reagierte recht gelassen. "Wir untersuchen die Ankündigung sorgfältig und werden die nächsten Schritte prüfen - in Übereinstimmung mit unseren internen Grundsätzen und in vollständiger Einhaltung von Sanktionen und Regeln der Ausfuhrkontrolle", erklärte ein Airbus-Sprecher. Dies könne einige Zeit in Anspruch nehmen.

Gemessen an den vielen Aufträgen, auf denen beide Konzerne sitzen, fallen die Iran-Aufträge insgesamt offenbar nicht so stark ins Gewicht. Auch einige Analysten relativieren die Trump-Entscheidung hinsichtlich der Flugzeuge. "Die Gesamtzahl der betroffenen Aufträge macht nur zwei Prozent des gesamten Auftragsbestands der Unternehmen aus", hieß es etwa in einer Studie von Bernstein Research. Und die britische Investmentbank Barclays beließ die Ex-EADS-Aktie auf "Overweight" mit einem Kursziel von 130 Euro.

Nur kleine Kursreaktionen

Auch an der Börse reagierten die Anleger relativ gelassen. Die Airbus-Aktie notierte am Freitag-Nachmittag 0,3 Prozent im Minus bei 99,24 Euro, nachdem der MDAX- und Eurostoxx50-Wert kürzlich erstmals die 100-Euro-Marke übersprungen hatte. Die Boeing-Aktie legte im deutschen Xetra-Handel zuletzt 0,3 Prozent zu auf 289,07 Euro.

Beide Werte laufen in intakten Aufwärtstrends. Engagierte Anleger sollten also besonnen bleiben, beide Aktien bleiben aussichtsreich. Angesichts der politischen Situation empfehlen sich jedoch Stopp-Loss-Marken: Für Airbus setzt DER ANLEGER den Stopp-Kurs auf 78 Euro* hoch, bei Boeing bleibt es bei 220 Euro.


Business as usual? Während die Sanktionen für den Iran gravierende Auswirkungen hätten, laufen die Geschäfte der Flugzeugbauer weiter: Es winken bereits neue Aufträge. So führt etwa United Airlines nach Angaben von Insidern derzeit Gespräche mit Airbus und Boeing über den Kauf von mehreren Dutzend Großraum-Langstreckenjets. Es gehe dabei um Ersatz für eine Flotte von 50 Boeing 767. Es wird erwartet, dass Airbus mit seinen A330neo-Flugzeugen gegen Boeings Dreamliner ins Rennen geht. Nach Listenpreisen hätte das Geschäft ein Volumen von 14 Milliarden Dollar.

*geändert am 14.05.18