Flughafenmanager wird neuer Chef von Etihad


Mit diesem Kandidaten hatte wohl keiner gerechnet: Tony Douglas wird neuer Chef von Etihad. Das gab die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi am Persischen Golf am Donnerstag bekannt. Der Brite Douglas hat vor allem Erfahrung als Flughafen-Manager und arbeitet zurzeit im britischen Verteidigungsministerium. Zum 1. Januar 2018 soll er bei Etihad anfangen. Bis dahin übernimmt Personalchef Ray Gammell diese Aufgabe weiterhin.

Die Suche nach einem neuen Spitzenmann für die Etihad Aviation Group hat deutlich länger gedauert als geplant. Der Aufsichtsrat der staatlichen Fluggesellschaft hatte den langjährigen CEO James Hogan zum Juli abgezogen. Die Entscheidung hatte die Herrscherfamilie in Abu Dhabi allerdings schon Anfang des Jahres getroffen. Seitdem lief die Suche nach einem Nachfolger.

Im Mai hieß es, der Neue werde in wenigen Wochen bekanntgegeben. Dabei fiel im Umfeld der Airline vor allem der Name Christoph Müller. Der Deutsche war unter anderem Chef von Aer Lingus und Malaysia Airlines. Derzeit arbeitet er bei Emirates aus dem benachbarten Dubai.


Doch statt Müller haben die Scheichs in Abu Dhabi einen Mann auserkoren, der die Luftfahrt zwar gut kennt – nicht aber als Airline-Experte. Der 54-jährige Douglas startete seine Laufbahn beim britischen Flughafenbetreiber BAA. Es folgte der Chefposten beim Flughafen London-Heathrow.

Als CEO des Baukonzerns Laing O’Rourke legte Douglas eine Branchenpause ein, bevor er einen Posten übernahm, der ihm schlussendlich auch die Berufung der Etihad-Eigner eingebracht haben dürfte. Douglas wechselte nach Abu Dhabi, zunächst als Chef der stark expandierenden Häfen und Industrieparks, dann als Chef des Flughafens. Nach diesem Intermezzo am Persischen Golf ging er 2005 zurück in die Heimat, wurde Chef des Bereichs Einkauf im britischen Verteidigungsministerium.

Umbau der Airline erwartet

Mohamed Mubarak Fadhel Al Mazrouei, Aufsichtsratschef der Etihad Aviation Group, zeigte sich zufrieden mit der Personalie, auch wenn sie lange gedauert und einen unerwarteten Namen hervorgebracht hat: „Wir sind erfreut, dass Tony zurück nach Abu Dhabi kommt, um Etihad zu leiten.“ Die dann folgende Aussage des Chefaufsehers lässt allerdings aufhorchen. „Er hat den Umbau von großen Unternehmen in Abu Dhabi und im Vereinigten Königreich geleitet und er versteht die Vereinigten Arabischen Emirate und die Region“, so Al Mazrouei.


Das deutet darauf hin, dass es bei Etihad noch einige Veränderungen geben wird. Unter Hogan hatte die Airline ein Netz an Beteiligungen aufgebaut, um Zugang zu wichtigen Märkten wie Europa zu bekommen. Doch die Strategie, bei angeschlagenen Fluggesellschaften einzusteigen, hat dem Unternehmen milliardenschwere Verluste eingebracht. Mittlerweile sind die Töchter Air Berlin und Alitalia pleite. Bei Air Berlin wurde dieser Schritt sogar direkt durch Etihad ausgelöst, weil man die finanzielle Unterstützung für die Tochter kurzfristig einstellte.

 Im vergangenen Jahr hat Etihad die beiden Beteiligungen bereits größtenteils bilanziell abgeschrieben, was einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro verursachte. Branchenkenner gehen deshalb davon aus, dass der neue Chef die Beteiligungen abstoßen wird.