Flughafen München kämpft weiter um die dritte Startbahn

Der Satz zeugt von Selbstbewusstsein. „Der Flughafen München steht heute so gut da wie niemals zuvor“, sagte Michael Kerkloh, Chef des zweitgrößten deutschen Drehkreuzes, am Vormittag in München. Tatsächlich fördert der Blick in das Zahlenwerk des nicht börsennotierten Flughafenbetreibers recht Beeindruckendes zutage.

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Passagiere um 5,5 Prozent auf 44,6 Millionen, ein neuer Rekordwert. Ohne die Pleite von Air Berlin, in München immerhin die zweitgrößte Fluggesellschaft, wäre das Verkehrswachstums sogar noch größer gewesen, betonte Kerkloh.

Das macht sich in den Finanzzahlen bemerkbar. Der Konzernumsatz legt um acht Prozent auf fast 1,5 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ist zwar mit 520 Millionen Euro leicht unter Vorjahr gelandet. Doch das liegt an außergewöhnlichen Verkaufserlösen, die den Vorjahreswert verzerrt hatten.


Das Konzernergebnis nach Steuern liegt bei 155 Millionen Euro, das bislang beste Ergebnis in der Geschichte des Flughafens. Die Nettofinanzverschuldung bezifferte Finanzchef Thomas Weyer auf 2,2 Milliarden Euro, das ist in etwa das, was das Unternehmen für 2017 auch als Eigenkapital ausweist. Damit ist die Finanzierung kommender Projekte aus eigenen Mitteln machbar.

Auch jenseits der Bilanz hat MUC – so das offizielle Kürzel des Airports – zurzeit kräftig Rückenwind. Hauptkunde Lufthansa hat fünf A380 stationiert. Damit zählt der Airport der bayrischen Landeshauptstadt zum relativ kleinen Kreis der vier Flughäfen, an denen der doppelstöckige Super-Jumbo stationiert ist.

Zudem hat die Beraterorganisation Skytrax das Drehkreuz vor wenigen Wochen im Ranking der weltbesten Flughäfen auf den sechsten Platz eingeordnet. Das ist zwar schlechter als im Vorjahr, als MUC noch auf Rang vier stand. Aber München ist nach wie vor der beste europäische Flughafen. Auf den ersten fünf Plätzen finden sich ausschließlich asiatische Drehkreuze, Rang eins hat der Flughafen in Singapur verteidigt.

Das Selbstbewusstsein kann Kerkloh allerdings gut gebrauchen. Denn bei allen Erfolgen – ein großes Projekt hängt weiter in der Luft: der Bau einer dritten Start- und Landebahn. Der Airport-Chef betonte einmal mehr, wie wichtig die neue Piste wäre. Er verwies unter anderem auf die mittelfristigen Verkehrsprognosen, die in den kommenden Jahren einen kontinuierlichen Zuwachs an Passagieren prognostizieren.

Alleine für 2018 erwartet der Flughafen mehr als 46 Millionen Fluggäste, ein Plus von drei Prozent. Das ist zwar etwas weniger als im vergangenen Jahr. „Aber das ändert ja nichts am langfristigen Wachstumstrend“, so Kerkloh.


Der Airport-Chef hofft deshalb auf eine Entscheidung nach der Landtagswahl in Bayern, die im Oktober stattfindet. „Alle erforderlichen genehmigungsrechtlichen und gerichtlichen Verfahren sind abgeschlossen worden. Wir sind also ready. Jetzt bedarf es einer Entscheidung unserer Gesellschafter“, sagte Kerkloh.

Seit 2007 arbeitet der Flughafen an der Idee einer dritten Bahn. Mit ihr könnte die Zahl der Abflüge pro Stunde von 90 auf 120 gesteigert werden. Die Baukosten wurden bisher auf 1,6 Milliarden Euro geschätzt, die MUC komplett aus eigener Tasche bezahlen will. Doch das Projekt ist zwischen den drei Gesellschaftern des Airports – dem Freistaat Bayern, der Stadt München und dem Bund – umstritten. 2012 hatten die Münchener in einer Abstimmung gegen den Ausbau gestimmt.

Doch seitdem hat sich die Situation am Flughafen zugespitzt. Kerkloh und sein Team müssen zum Teil Wünsche einzelner Fluggesellschaften nach Start- und Landerechten (Slots) zurückweisen. Zwar gibt es noch einige wenige freie Kapazitäten. Doch damit München zum Beispiel für eine neue Airline attraktiv genug ist, benötigt diese sogenannte Slotpaare, also zeitlich passende Verkehrsrechte, um den Umlauf der Jets optimal planen zu können. Die sind aber Mangelware.

Hinzu kommt, dass die noch freien Kapazitäten in den Randstunden liegen, also in den eher unattraktiven Zeiträumen. Der Druck, endlich über die dritte Bahn zu entscheiden, wächst also von Tag zu Tag.