Florence Kasumba wird erste schwarze Tatort-Kommissarin & das war längst überfällig

Insa Grüning

Neulich habe ich mich Montag morgens mit einer Kollegin über den Tatort des vorherigen Abends ausgetauscht und wir mussten uns beide kurz Luft machen. Der Grund: In 90 Filmminuten tauchte nur in einer einzigen Szene, ein einziges Mal, eine einzige schwarze Protagonistin auf. Und ja, man hatte sich mal wieder für eine der gängigen Stereotyp-Darstellungen entschieden, die Frau war nämlich als Reinigungskraft im Hintergrund der Einstellung zu sehen.

Die deutsche TV-Landschaft hat offenbar noch immer nicht verstanden hat, was Diversity bedeutet und wie wichtig Repräsentation in allen Bereichen ist. Und damit ist auch die Besetzung der Hauptrollen in Filmen und Serien gemeint, die jede Woche von Millionen Deutschen im Vorabendprogramm konsumiert werden.

Die deutsche Schauspielerin Florence Kasumba beklagte dies schon vor vier Jahren in einem Interview mit dem Focus, in dem sie forderte, dass es „Zeit für einen dunkelhäutigen Tatort-Kommissar“ wird. Kasumba war zu diesem Zeitpunkt zwar schon ein paar Mal selbst im Tatort aufgetreten, allerdings in kleineren Nebenrollen – etwa als Geflüchtete oder als Forscherin aus Südafrika. Eben im Rahmen in einer stereotypischen Darstellung. Warum tut sich das deutsche Fernsehen bloß bis heute so schwer damit anzuerkennen, dass auch Schwarze Deutsche sind?

Bei aller angemessenen Kritik, scheinen sich die Programmdirektor*innen nun endlich mit dieser Frage zu beschäftigen und verkündeten gestern, dass schon ganz bald die erste schwarze Tatort-Kommissarin im TV zu sehen sein wird. Es handelt sich um die in Essen geborene Florence Kasumba, die afroamerikanische Wurzeln hat, bereits seit 17 Jahren als Schauspielerin arbeitet und mittlerweile auch international beachtliche Erfolge feiert. Sie wirkte beispielsweise in Blockbustern wie Wonder Women oder Black Panther mit. In Amerika und Hollywood, so scheint es, ist es schon weitaus normaler geworden, dass PoCs große Hauptrollen spielen und Held*innen verkörpern dürfen. Warum Deutschland es immer noch nicht schafft, mehr Vielfalt zu repräsentieren und Menschen mit Migrationshintergrund abzubilden, den schließlich fast jeder Fünfte mitbringt, bleibt mir ehrlich gesagt ein Rätsel.

Florence Kasumba wird jetzt jedenfalls als Kommissarin Anaïs Schmitz an der Seite von Maria Furtwängler im Tatort Göttingen vor einem Millionenpublikum ermitteln. Das ist Grund zur Freude, ein Gewinn für das deutsche Fernsehen allemal, ein kleiner Fortschritt sicherlich – aber noch längst nicht genug! Es muss noch so viel mehr passieren, damit Meldungen wie diese hier nicht mehr nötig sind. Der WDR hat übrigens gerade seinen langjährigen Tatort-Koordinator Gebhard Henke wegen Vorwürfen sexueller Belästigung und Machtmissbrauchs gekündigt. Bleibt zu hoffen, dass sein*e Nachfolger*in die Themen Diversity und Repräsentation viel stärker mit einbindet als es bisher getan wurde.

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