Fliegen Beamte bald Ryanair?

Viele Ministerien haben in der früheren Hauptstadt Bonn noch ihren Hauptsitz. Bislang flogen Beamte zwischen Berlin und Bonn vor allem mit Air Berlin. Doch die Insolvenz der Airline macht die Zukunft unsicher.


Der Begriff „Beamtenshuttle“ ist im Bundesverkehrsministerium (BMVI) offenbar verpönt. Eine Anfrage der WirtschaftsWoche zu den Kosten der Beamtenreisen beantworte die Pressestelle des BMVI erkennbar genervt mit den Worten: „Es gibt keinen ‚Beamten-Shuttle‘ zwischen Köln/Bonn und Berlin im Sinne eines reinen Flugdienstes nur für Bundesbedienstete.“ Der Bund sei einfach nur „Großkunde von Air Berlin“. Dienstreisende des Bundes seien damit „genauso von möglichen Verspätungen und Flugausfällen betroffen wie andere Passagiere.“

Es erstaunt, wie dünnhäutig die BMVI-Beamten auf den Begriff „Beamtenshuttle“ reagieren. Vielleicht liegt es daran, dass sie bald nicht mehr wie bisher mit Maschinen von Air Berlin fliegen dürfen, sondern sich eventuell mit engen Ryanair-Sitzen anfreunden müssen. Die Billigairline ist interessiert an dem Auftrag, sollte der Bund den Großkundenvertrag irgendwann neu ausschreiben. „Wenn euer Finanzminister Geld sparen will, nimmt er uns“, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary der WirtschaftsWoche jüngst.

Und das kann schneller kommen als gedacht. Denn mit der Insolvenz von Air Berlin ist auch die Zukunft des Großkundenvertrages zwischen Bund und der bisherigen Nummer zwei im deutschen Flugmarkt in Frage gestellt. Für das lukrative Exklusivabkommen überwies der Bund allein im vergangenen Jahr rund 2,7 Millionen Euro. Insgesamt pendelten rund 22.000 Beamte zwischen den Flughäfen Berlin und Köln/Bonn. Pro Ticket zahlt der Bund per Rahmenvereinbarung offenbar 80 Euro.


An den Vereinbarungen will die Bundesregierung zunächst festhalten. Laut „Handelsblatt“ würden die Ministerien im Intranet dazu ermahnt, bei den Dienstreisen zwischen Spree und Rhein weiterhin Air Berlin zu buchen. Doch gilt das auch langfristig?

Offenbar wächst in den Häusern mehr und mehr der Frust über die desolate Lage und den zuletzt schlechten Service von Air Berlin. Allein im Bundesverteidigungsministerium würden rund 500 Mitarbeiter regelmäßig zwischen den beiden Dienstsitzen pendeln. Aufgrund der zahlreichen Verspätungen seien viele Beamte zuletzt verärgert gewesen.


Das Bonn-Berlin-Gesetz aus dem Jahr 1994 ist Ursache für den Beamtenshuttle. Das Gesetz definiert, dass die Ministerien für Landwirtschaft, Gesundheit, Entwicklungshilfe, Umwelt und Verteidigung ihren Hauptsitz weiterhin in Bonn haben. Viele Ministerien haben in Bonn außerdem Nebenstellen. Dadurch arbeiten in der nordrhein-westfälischen Provinz weiterhin 7000 Beamte, in Berlin sind es 12.000.

Dass Air Berlin überhaupt der große Profiteur des Bonn-Berlin-Gesetzes ist, hat damit zu tun, dass die Airline in seiner expansiven Firmengeschichte mehrere Gesellschaften gekauft hat, die früher für den Shuttle der Beamten verantwortlich war. Ursprünglich flogen die Fluggesellschaften Germania und DBA einen Großteil der Kontingente. Beide Airlines landeten 2005 bei Air Berlin. Später charterte Air Berlin auch Flugzeuge des Konkurrenten HLX, so dass seitdem quasi alle Beamten mit rotem Schokoherz ins Wochenende oder in den Dienstbeginn geschickt wurden.


Wer also in Zukunft deutsche Beamte zwischen Berlin und Bonn fliegen wird, hängt davon ab, wer welche Teile der insolventen Air Berlin kaufen wird. Interessenten gibt es reichlich. Die Lufthansa will große Teile übernehmen, aber auch der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl und Easyjet wollen offenbar Angebote einreichen. Selbst Ryanair hat sich inzwischen gemeldet. Die Airline wolle für das Gesamtunternehmen bieten, heißt es - mehr oder weniger ernsthaft.

Möglicherweise wird der Großkundenauftrag für die Pendelflüge noch einmal ganz neu ausgeschrieben. Das Bundesverkehrsministerium sagt dazu nur: „Die Fortführung dieser Vereinbarungen ist abhängig von den Ergebnissen der Verhandlungen von Air Berlin mit potenziellen Interessenten.“

Weitere Fragen der WirtschaftsWoche ließ das BMVI unbeantwortet. Aber die Sache mit der Begrifflichkeit des „Beamtenshuttle“ wollte es offenbar dringend mal loswerden.