Flavio Briatore: Alonso nach "Detox-Kur" bereit für F1-Comeback bei Renault

Juliane Ziegengeist

Die Frage, was Sebastian Vettel nach dieser Formel-1-Saison macht, wird aktuell mindestens genauso heiß diskutiert wie das offene Renault-Cockpit neben Esteban Ocon. Durch den Wechsel von Daniel Ricciardo zu McLaren ist das für 2021 noch unbesetzt. Und die Anzeichen für ein Alonso-Comeback verdichten sich.

Denn Fernando Alonso soll bereits einen Vorvertrag mit Renault unterzeichnet haben. Aus seinen Ambitionen, nach einem Jahr Auszeit in die Formel 1 zurückzukehren, machte der Spanier selbst nie einen Hehl. Sein einstiger Förderer Flavio Briatore glaubt, dass er die sich bietende Chance bei Renault nutzen sollte.

"Fernando ist motiviert. Das eine Jahr raus der Formel 1 hat ihm gut getan. Es war wie eine Art Detox-Kur. Ich empfinde ihn gelassener und bereit zur Rückkehr", sagt der ehemalige Formel-1-Teamchef im Gespräch mit der 'Gazzetta dello Sport'.

Brown: Renault sollte Alonso verpflichten

Und auch McLaren-CEO Zak Brown sieht Alonso schon im Renault sitzen. "Wenn ich Renault leiten würde, würde ich ihn ins Auto setzen: ein großer Name, schnell wie jeder andere. Er hat mit ihnen schon zwei Meisterschaften gewonnen, er hat also Geschichte", argumentiert er gegenüber 'Sky Sports F1' pro Alonso.

Der 38-Jährige gewann mit Renault in den Jahren 2005 und 2006 seine zwei Formel-1-Titel. Doch von dieser Form ist zumindest das Team derzeit weit entfernt. "Die Frage ist, ob Fernando mit einem Auto, das noch nicht siegfähig zu sein scheint, für 22 Rennen zurückkehren will", merkt Brown deshalb berechtigt an.

"Angesichts von Fernandos Format würde er sich nur dann auf einen Platz stürzen, wenn er glaubt, dass er ganz oben auf dem Podium stehen kann." Doch der McLaren-CEO sieht Renault in diesem Punkt auf einem guten Weg: "Ich denke, sie werden es schaffen. Sie sind ein großartiges Team mit großartigen Ressourcen und Leuten."

Briatore: Ferrari setzt alles auf Leclerc

Ob Alonso allerdings bereit ist, diese Aufbauarbeit zu leisten "und nicht in ein Auto zu steigen, in dem er sofort gewinnen kann", bezweifelt Brown. Für Renault verstehe es sich hingegen von selbst, ihn ins Rennen zu schicken, wenn sich die Chance bietet.

McLaren selbst setzt ab 2021 auf Daniel Ricciardo als Nachfolger von Carlos Sainz, der bei Ferrari Vettel beerbt. Briatore wertet das als klares Zeichen dafür, dass die Scuderia alles auf Leclerc setzt. "Und das ist gut so, denn er ist, wie ich schon vergangenes Jahr bemerkte, ein künftiger Star, ähnlich wie Alonso und Schumacher."

Deshalb sei Ferrari auch gezwungen gewesen, sich von Vettel zu trennen, erklärt Briatore weiter: "In der Formel 1 ging es immer darum, das Siegerrezept zu haben. Man muss einen Fahrer haben, der sich auf die Weltmeisterschaft konzentriert, und den anderen, der große Punkte sammelt und sie den Rivalen wegnimmt."

"Vettel hat dafür bezahlt, dass ein sehr schneller Junge in das Team kam. Das hat ihn und Ferrari überrascht, wie es bei McLaren mit (Lewis) Hamilton (2007; Anm. d. R.) der Fall war. Zwei Fahrer auf gleichem Niveau in einem Team riskieren schließlich, sich gegenseitig Punkte abzunehmen", weiß der frühere Formel-1-Teamchef.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.