„Flaschenpost”: Zukunftsbotschaften setzen ein Zeichen für verfolgte Schriftsteller

Autoren verschicken für den „Kölner Stadt-Anzeiger” Wünsche und Hoffnungen.

Die Serie „Flaschenpost“ erscheint von Samstag, 2. September, an im Kulturteil des gedruckten „Kölner Stadt-Anzeiger“ und im monatlichen Bücher-Magazin. Eine Flaschenpost versenden werden dann unter anderem Can Dündar, Guy Helminger, Elisabeth Herrmann, Frank Schätzing, Silke Scheuermann und Ilja Trojanow.

Verweigerung kann so schön sein – und so poetisch! Niemand, so scheint es, kann noch der ständigen Beschleunigung und Vervielfältigung von Nachrichten entkommen. Kaum gesendet oder gepostet, ist „das Neueste“ schon wieder alt, uralt. Trotzdem ist das Bedürfnis nach zugleich aktueller, umfassender und zielgerichteter Information ungebrochen, und Journalisten leben davon, es zu befriedigen.

Zukunftsbotschaften von bekannten Schriftstellern

Heute machen wir Ihnen im „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein Alternativ-Angebot: Unsere neue Reihe „Flaschenpost“ bedeutet maximale Entschleunigung, minimale Effizienz und größtmöglicher Raum für die Fantasie. National und international bekannte Schriftsteller werden auf unsere Bitte hin einen ganz persönlichen Text schreiben, ihn in eine Flasche stecken und diese ins Wasser werfen.

Es sind Zukunftsbotschaften mit unbekanntem Adressaten und unbestimmten Ziel. Sie kommen von Herzen. Aber vielleicht kommen sie nirgends an. Wer weiß das schon? Es ist das Prinzip der Flaschenpost, dass sie Ungewissheit mit Hoffnung paart und mit dem Vertrauen auf die verbindende Kraft des Wortes.

Start mit Dogan Akhanli

Zu den vier Autoren, mit denen wir die Serie starten, gehört Dogan Akhanli. Der türkischstämmige Kölner sitzt seit dem 19. August in der spanischen Hauptstadt Madrid fest. Ein türkischer Haftbefehl und ein Auslieferungsgesuch Ankaras hindern Akhanli daran, das Land zu verlassen, in dem er unbeschwert seinen Urlaub verbringen wollte. Der Fall hat in ganz Deutschland Entrüstung ausgelöst. Er gilt als weiterer Beleg für die systematische Unterdrückung kritischer Stimmen durch das Regime des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und die Verfolgung von Oppositionellen nicht nur im eigenen Land, sondern mittlerweile auch mitten in Europa.

„Das Schreiben von Erzählungen hat mir geholfen, meine Traumata zu verarbeiten, es rettet mich bis heute“, sagt Dogan Akhanli. In seiner gegenwärtigen Lage eine Flaschenpost in den Manzanares zu werfen, der durch Madrid fließt, das passe zu seinem Leben, in dem er sich bisweilen wie in einem absurden Theaterstück fühle. „Ich sehe meine Flaschenpost aber auch als gutes Symbol für die Freiheit der Gedanken und des Wortes, die an so vielen Orten der Welt bedroht, missbraucht und beschnitten wird.“

Solidarität mit verfolgten Literaten

In diesem Sinne möchten Akhanlis Schriftstellerkollegen Burhan Sönmez (Istanbul), Nora Bossong (Berlin) und Hannah O’Brien (Köln) ihre Teilnahme an der Flaschenpost-Aktion, an der sich die „Frankfurter Rundschau“ und die „Berliner Zeitung“ beteiligen, auch als Zeichen der Solidarität mit Akhanli und allen verfolgten Literaten verstanden wissen.

Als der Astronom Frank Drake vor 40 Jahren eine Botschaft ins Weltall schickte, um Kontakt mit möglichen Außerirdischen aufzunehmen und so etwas über die Zukunft der Menschheit zu erfahren, war das die Erweiterung der Flaschenpost-Idee in die Sphäre des Galaktischen.

Unsere Autoren holen sie zurück auf die Erde, stoßen aber mit ihren Texten die gleichen Fragen an: Wie werden wir in Zukunft leben? Wie wünschen wir uns die Welt für unsere Kinder und Enkelkinder? Und wie bleiben wir miteinander in Verbindung? Unsere „Flaschenpost“ lädt alle Leser zum Nachdenken ein....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta