"Das Flüstern des Wassers" triumphiert bei den Oscars

Regisseur Guillermo del Toro mit dem Oscar für den besten Film

Großer Triumph des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro bei den Oscars: Mit seinem Fantasy-Märchen "Shape Of Water - Das Flüstern des Wassers" hat der 53-Jährige den Hauptpreis für den besten Film gewonnen. Außerdem holte er die Regie-Trophäe. Neben den Preisen war bei der Gala am Sonntagabend in Hollywood aber auch die neue Protestbewegung gegen sexuelle Drangsalierung sowie die Diskriminierung von Frauen in der Filmbranche ein zentrales Thema.

Del Toros Triumph war keine Überraschung: Seine Geschichte von der Liebe zwischen einer stummen Reinigungskraft und einem amphibischen Monster in einem US-Geheimlabor war mit 13 Nominierungen als großer Favorit in das Oscar-Finale gezogen. Am Ende holte der Film vier Preise - auch jene für den besten Soundtrack, der von dem Franzosen Alexandre Desplat stammt, sowie das beste Szenenbild.

Der mexikanische Regisseur nutzte seinen großen Abend für eine Botschaft der Völkerverständigung. "Ich bin ein Einwanderer", sagte er - und pries die Kraft von Filmen, "die Linien im Sand" zwischen den Menschen verschiedener Kulturen zu verwischen.

Als beste Schauspieler in Hauptrollen wurden Frances McDormand und Gary Oldman geehrt. McDormand holte den Preis für ihre Rolle als zornige Mutter eines vergewaltigten und ermordeten Mädchens in der bitterbösen Kleinstadtsatire "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri". Für die 60-Jährige ist es der zweite Oscar. Den ersten hatte sie 20 Jahre zuvor für "Fargo" geholt.

Oldman wurde für seine Darstellung des britischen Premierministers Winston Churchill in "Die dunkelste Stunde" ausgezeichnet. Der Brite hatte sich für die Rolle komplett verwandeln müssen - mittels eines dreistündigen Make-ups pro Tag.

Die Oscars als beste Nebendarsteller bekamen Allison Janney, die in dem biographischen Film "I, Tonya" die tyrannische Mutter der US-Eiskunstläuferin Tonya Harding spielt, sowie Sam Rockwell für seinen Auftritt in "Three Billboards". Er stellt darin einen homosexuellen und rassistischen Polizisten dar.

Der vom mexikanischen Tag der Toten inspirierte Kinderfilm "Coco" gewann den Preis als beste Animation. Der Oscar für den besten fremdsprachigen Film ging an das Transgender-Drama "Eine fantastische Frau" aus Chile. Ein deutscher Film war in dieser Kategorie nicht nominiert. Immerhin holte aber der deutsche Spezialeffekte-Experte Gerd Nefzer einen Oscar. Mit drei Kollegen gewann er für den Science-Fiction-Thriller "Blade Runner 2049" den Preis in der Sparte "Beste visuelle Effekte".

Die Gala im Dolby Theatre fand unter dem Eindruck der Belästigungs- und Missbrauchsskandale um den abgestürzten Filmmogul Harvey Weinstein und andere Branchengrößen statt, die Hollywood seit Monaten schwer erschüttern.

Während der Show präsentierten die Schauspielerinnen Salma Hayek, Ashley Judd und Annabella Sciorra, die nach eigener Schilderung zu den Weinstein-Opfern gehören, ein Video zu den neuen Protestbewegungen für die Frauenrechte. Diese stellten einen "kraftvollen Chor dar, welcher endlich sagt: 'Die Zeit ist um'", sagte Judd - womit sie den Namen einer der neuen Bewegungen zitierte.

Der Moderator Jimmy Kimmel hatte gleich zu Beginn der Gala die Skandale um sexuelle Drangsalierungen angesprochen. Der Absturz Weinsteins sei "lange überfällig" gewesen, sagte er. Hollywood dürfe derartiges Verhalten nicht mehr durchgehen lassen. "Wir müssen ein Beispiel geben", betonte der Talkmaster.

Das schwierige Thema behandelte Kimmel aber auch mit Humor, indem er die Oscar-Figur als Vorbild beschrieb: Oscar sei der "beliebteste und respektierteste Mann in Hollywood", da er seine Hände immer da behalte, wo sie zu sehen seien, und nie ein "grobes Wort" sage. Am wichtigsten sei aber, dass Oscar "überhaupt keinen Penis" habe.