Flüchtlingsprotest vor deutscher Botschaft in Athen

Flüchtlingsprotest vor der deutschen Botschaft in Athen

Dutzende Flüchtlingsfamilien haben am Mittwoch vor der deutschen Botschaft in Athen demonstriert. Sie warfen der Bundesregierung vor, die Zusammenführung von Familien zu behindern. An der Kundgebung nahmen mehrheitlich syrische, aber auch irakische, afghanische und kurdische Familien teil. Frauen und Kinder waren besonders stark vertreten.

Einer der Veranstalter des Protests, Schaker Chalil, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Berlin wolle die Familienzusammenführung verhindern oder in die Länge ziehen. Der im Flüchtlingslager Ritsona bei Athen untergebrachte Flüchtling fügte hinzu, derzeit würden monatlich 70 Anträge auf Familienzusammenführung akzeptiert. Es müssten jedoch drei Mal so viele sein.

Auf Schildern forderten die Demonstranten in englischer und deutscher Sprache: "Das Recht zur Wiedervereinigung ist kein Verbrechen" und "Kein Warten mehr!"

Vier Vertreter des Protests baten um eine Zusammenkunft mit einem Vertreter der Botschaft. Sie wollten eine Liste mit Namen von kranken und minderjährigen Flüchtlingen übergeben, deren Zusammenführung mit anderen Familienmitgliedern sie als besonderes dringlich bezeichneten. Die Polizei versperrte ihnen den Weg in die diplomatische Vertretung.

In Griechenland halten sich etwa 60.000 Flüchtlinge auf, vor allem Syrer und Afghanen. Seit der Schließung der sogenannten Balkanroute und der Vereinbarung zwischen der Europäischen Union und der Türkei im März 2016 sitzen die Flüchtlinge in Lagern fest. Die Zustände in den Camps werden von Menschenrechts- und Nichtregierungsorganisationen als teilweise "unmenschlich" beschrieben.

Die am 20. März 2016 in Kraft getretene Vereinbarung zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass die Türkei alle Flüchtlinge zurücknimmt, die auf den griechischen Ägäis-Inseln ankommen. Im Gegenzug sagte die EU finanzielle Unterstützung bei der Versorgung der Flüchtlinge in der Türkei und Entgegenkommen bei der Visa-Liberalisierung und den EU-Beitrittsgesprächen zu.

Der Pakt, der zu einem deutlichen Rückgang der Flüchtlingszahlen auf den griechischen Inseln führte, war seit Anbeginn heftig umstritten. Ankara wirft der EU unterdessen vor, ihre Zusagen nicht erfüllt zu haben und droht immer wieder mit der Aufkündigung des Deals. Die Organisation Pro Asyl kritisiert, beide Seiten benutzten Flüchtlinge nur noch "zynisch als Manövriermasse" und missbrauchten sie "für wechselseitige Erpressungsversuche".