Fitch stuft Kreditwürdigkeit von Venezuelas staatlichem Ölkonzern weiter herab

Das hochverschuldete Venezuela schlittert weiter in Richtung Staatspleite: Die US-Ratingagentur Fitch stufte am Dienstag auch die Kreditwürdigkeit der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA herab. Fitch notiert das für die venezolanische Wirtschaft systemwichtige Unternehmen künftig bei C und damit nur noch eine Stufe über der Zahlungsunfähigkeit. Die Staatspleite Venezuelas sei "höchst wahrscheinlich", hieß es.

Die Herabstufung folgt auf die Ankündigung der venezolanischen Regierung und des Öl-Konzerns, mit ihren Gläubigern über eine Umschuldung verhandeln zu wollen. Die Abwertung der Kreditwürdigkeit der PDVSA berücksichtige die engen Verflechtungen des Staatskonzerns mit der Regierung, die "absolute Kontrolle" über die Geschäftsstrategien und Ressourcen ausübe, teilte Fitch mit. Es dürfte für Caracas schwierig werden, den Konzern zu stützen, weil beide Partner in finanzieller Schieflage seien.

Venezuela will mit seinen Gläubigern Mitte November über eine Umschuldung verhandeln. Das lateinamerikanische Land ist mit geschätzten 155 Milliarden Dollar (fast 134 Milliarden Euro) bei ausländischen Gläubigern verschuldet. Viele Investoren sehen das Land am Rande des Staatsbankrotts. Zuletzt hatte auch US-Ratingagentur Standard and Poor's die Kreditwürdigkeit des Landes weiter herabgestuft. Einen entsprechenden Schritt vollzog zuvor auch Fitch.

Venezuela steckt in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Sie wird verschärft durch die Sanktionen, die US-Präsident Donald Trump im August gegen das Land verhängt hat. Er untersagte per Dekret den Handel mit neuen venezolanischen Staatsanleihen. Betroffen ist davon auch PDVSA. Ölverkäufe bilden das Fundament der venezolanischen Wirtschaft und stehen für 95 Prozent der Exporte. Die Einnahmen sind wegen fallender Erdölpreise deutlich zurückgegangen.

Venezuela musste bereits im Oktober 1,63 Milliarden Dollar zurückzahlen. Im November sind 1,89 Milliarden fällig, im Dezember 242,5 Millionen Dollar. Die Reserven des Landes sind so klein wie seit 20 Jahren nicht und belaufen sich auf etwa zehn Milliarden Dollar. Größte Gläubiger des Landes sind China mit 23 Milliarden an Forderungen und Russland mit acht Milliarden.

In Venezuela tobt seit Monaten ein erbitterter Machtkampf zwischen dem linksnationalistischen Staatschef Nicolás Maduro und der Mitte-rechts-Opposition. Die Opposition erkennt die im Juli eingesetzte verfassunggebende Versammlung nicht an und macht den Staatschef für die wirtschaftliche Misere verantwortlich. Viele Venezolaner sind aber auch von der Opposition enttäuscht. Die Proteste zwischen April und Juli, bei denen 125 Menschen getötet wurden, haben nichts an der politischen Lage im Land geändert.