Fitch stuft Deutsche Bank herab


Vielleicht tröstet es John Cryan, den Chef der Deutschen Bank, ein bisschen, dass der vergangene Herbst noch sehr viel trüber war. Damals sorgte eine Strafandrohung von rund 13 Milliarden Dollar durch das US-Justizministerium für eine massive Vertrauenskrise. Kunden zogen Milliarden ab und Investoren zweifelten an der finanziellen Stabilität der Bank.

So schlimm ist es dieses Mal bei weitem nicht, aber doch unerfreulich genug. Der Aktienkurs kränkelt seit Monaten, einflussreiche Großinvestoren zweifeln an Cryan und seinen beiden Stellvertretern Marcus Schenck und Christian Sewing – und jetzt hat auch noch die Ratingagentur Fitch die Bonität des Geldhauses herabgestuft. Das langfristige Rating sei auf „BBB+“ von zuvor „A-“ herabgestuft worden, teilte die Agentur am Donnerstagabend mit. Der Ausblick sei stabil.


Die Agentur begründete die Herabstufung mit dem kontinuierlichen Druck auf die Ergebnisse der Bank, gepaart mit der sich hinziehenden Implementierung der Strategie. „Wir gehen nicht länger davon aus, dass die Erträge klare Hinweise auf eine Erholung dieses Jahr zeigen und wir erwarten, dass weitere notwendige Restrukturierungskosten das Nettoergebnis belasten werden“, schreiben die Analysten von Fitch. Im Vergleich zu anderen globalen Banken habe die Deutsche Bank einen weiteren Weg bei der Restrukturierung vor sich.

Im Gegensatz zur Bewertung für das Frankfurter Geldhaus bestätigte Fitch die Bonitätsnoten für die meisten anderen Banken, etwa JP Morgan, Citigroup und Société Générale. Der Schweizer Konkurrent Credit Suisse steht mit „A-“ besser da als die Deutsche Bank, und die Züricher UBS stufte Fitch sogar auf „A+“ von zuvor „A“ hoch.

Die Bonitätsnoten sind wichtig für die Banken, weil sie mit über die Refinanzierungskosten der Institute entscheiden. „BBB+“ ist die drittniedrigste Bewertung von Fitch, die noch in die Kategorie „Investment Grade“ fällt, die für Anlagen mit guter Bonität steht. Der Fitch-Konkurrent Standard & amp; Poor’s hatte die Deutsche Bank im März noch auf „A“- von „BBB+“ heraufgestuft. Dafür war vor allem eine Gesetzesänderung verantwortlich, die erstrangige Gläubiger besser schützt. Die ebenfalls wichtige Rating-Agentur Moody's bewertet die Frankfurter mit der Note „Baa2“.


Seit Anfang dieses Jahres sackte der Kurs der Deutschen Bank um mehr als sieben Prozent ab, damit gehört das Geldhaus zu den schlechtesten europäischen Großbanken an der Börse. Am Freitagmorgen ging es noch einmal um 0,5 Prozent abwärts. Die schlechte Performance ist ein Grund für harsche Kritik aus den Reihen einflussreicher Großinvestoren, die inzwischen anzweifeln, dass Cryan der richtige Mann ist, um die Bank wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Allerdings gibt es auch andere gewichtige Stimmen aus dem Anlegerkreis, die den Briten nach wie vor als kühl analysierenden Sanierer schätzen. Aber selbst bei diesen im Prinzip wohlwollenden Großaktionären ist inzwischen die Ungeduld herauszuhören. Nach den enttäuschenden Zahlen für das erste Halbjahr sei klar, dass Cryan und das Team, das er um sich geschart hat, nicht mehr unbegrenzt Zeit hätten, um belastbare Erfolge vorzuweisen.

KONTEXT

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 hatte Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands angekündigt. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 gab es einige Umbesetzungen. Zwei Frauen gehören zum Zirkel, vier Manager sind Deutsche.

John Cryan - Vorstandschef

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agierte bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef.

Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten und wurde im März zum Stellvertreter Cryans gewählt. Er leitet nun das Unternehmens- und Investmentbanking.

Christian Sewing

Zweiter stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing. Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand - und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete vor seiner Bestellung in den Vorstand 2016 das Aktiengeschäft in London. Gemeinsam mit Marcus Schenck verantwortet er den Unternehmensbereich Unternehmens- und Investmentbank.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet.

1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.