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Das soziale Netzwerk für den Blockwart

Nextdoor, das soziale Netzwerk zwischen Dienstleistung und Denunziantentum, bekommt neues Geld. Das heizt die Diskussion über die Zukunft von Online-Gemeinden und Verantwortung der Tech-Konzerne erneut an.


San Francisco: Das ist da, wo Jungunternehmer und Gründer in spe jetzt schon auf der Straße arbeiten. Das erste Open-Air-Co-Working-Center hat auf einem privaten Parkplatz im angesagten Stadtteil SoMa aufgemacht. Viel Farbe an den Betonwänden der angrenzenden Häuser sorgt für eine freundliche Stimmung. Es gibt einen Grillplatz und für fünf Dollar die Stunde oder elf Dollar am Tag arbeitet jeder auf Plastikstühlen oder am hölzernen Biergartentisch an seinem Traum.

Es weht sogar ein wenig Google-Feeling durch den kieselsteinbedeckten Hof mit seinen hölzernen Stegen: Es gibt Kaffee bis zum Abwinken, Snacks, Obst und für das freitägliche Bier vom Fass ist auch gesorgt. Natürlich gibt es auch auch Wlan. Das einzige was es nicht gibt: Wände, Decken und Türen, die man hinter sich zu machen kann. Und die blauen Dixie-Klos sind auch nicht so richtig Google-Standard.

Wer etwas mehr ausgeben will, findet Platz in einem der drei ausrangierten Wohnwagen auf dem Hof, die Sichtschutz versprechen und ein Mindestmaß an Geräuschdämmung, wenn mitten im wichtigen Meeting mal wieder die Polizei mit Sirene vorbeirast. Der Anbieter Campsyte hält für den gehobenen Anspruch sogar umgebaute Schiffscontainer bereit, in denen für 53 Dollar pro Stunde acht Leute Platz finden, um an Konferenztischen und Flachbildfernsehern an Präsentationen zu arbeiten.


Angesichts des hohen Anstiegs bei Wohnungs-, aber auch Büromieten, sind Co-Working-Räume nicht nur in San Francisco zu einem gigantischen Geschäft geworden. Gerade erst hat WeWork, ein New Yorker Start-up, das bereits Duzende Co-Sharing-Häuser in 19 US-Metropolen betreibt, laut Forbes Magazin eine weitere Kapitalspritze von 760 Millionen Dollar bekommen. Das Unternehmen ist mit 20 Milliarden Dollar bewertet. WeWork will die Zahlen nicht kommentieren.

Die Zahl der Mitglieder, die Räume und Dienstleistungen nutzen, liegt nach Angaben von WeWork weltweit schon bei mehr als 100.000. WeWork sieht sich allerdings als deutlich mehr als ein typischer Büroraum-Vermieter. Es gibt soziale Events, gemeinsame Aktionen und alles, was hilft eine Verbindung untereinander aufzubauen.

Eines der größten Probleme von Gründern, Freiberuflern und Arbeitssuchenden im Valley ist das fehlende Networking mit Kollegen und das Gemeinschaftsgefühl, das Angestellte in großen Unternehmen haben. WeWork will nicht die Ersatzfamilie, aber das Ersatzunternehmen sein. Allerdings hat das ganze seinen Preis. Zwischen ein paar Hundert und einigen Tausend Dollar kann ein Platz in einem der schicken WeWork-Häuser im Monat kosten.

Das wäre dann etwas für die Outdoor-Arbeiter von der Freelon Straßen Nummer 7, wenn sie den Aufstieg in der Welt der Start-ups schaffen: Die erste Finanzierungsrunde nicht von Mama und Papa, sondern eine echte „Seed“-Runde. Eine Kapitalspritze eines Angel-Investors mit typischerweise rund 50.000 Dollar. Das ist der Schritt vom Träumer zum Macher.


Die Sturm- und Drangzeit eines Gründers

Bis dahin sieht eine typische Lebenssituation in der Sturm-und-Drangzeit eines neu angekommenen Start-up-Gründers oder Mitarbeiters auf der Jobsuche eher so aus: Ein Etagenbett in einem Vierbett-Zimmer mit gemeinsamer Badezimmer- und Küchennutzung in San Francisco für 1.200 Dollar im Monat. Das Essen kommt portioniert von Blue Apron oder HelloFresh, weil man zwar kochen kann, aber keinen eigenen Kühlschrank hat. Gearbeitet und gelebt wird im Open-Air-Coworking-Space für 33 Dollar im Monat im Sommer.


Wobei das alles andere als ein Zuckerschlecken ist. „Der kälteste Winter, den ich je erlebt habe, war ein Sommer in San Francisco“, lautet ein bekanntes Sprichwort, das Mark Twain zugeschreiben wird. Was vielen nicht klar ist, die noch nie in Kalifornien waren: Zwischen den Brutöfen wie Los Angeles und San Diego im südlichen Landesteil und San Francisco oder Oakland im Norden liegen, was die Temperatur betrifft, Welten.

Und wenn es Winter wird in Nordkalifornien dann hilft alles nichts. Dann wird der gute alte und geheizte Starbucks wieder zum größten Co-Workingplace in der Stadt. Vollgestopft mit Laptop-Tippern, die ihre Taschen und Ordner strategisch auf den Stühlen neben sich verteilt haben und jeden bärbeißig anschauen, der sich dazusetzen könnte. Der Rest von uns wird seinen Latte Macchiato dann wieder im Stehen zu sich nehmen.


Immer dienstags schreiben Britta Weddeling und Axel Postinett, Korrespondenten des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.