Fipronil-Skandal : Kölner Kunden wollen wissen, wo ihr Ei herkommt

Es gibt Skepsis bei Kunden, aber auch Vertrauen zum Stammhändler.

„Sobald wir wieder ein Ei unter der Henne gefunden haben, ist es auch schon verkauft“, erzählt Nicole Werner-Hufsky vom Bio-Hof über die steigende Nachfrage nach Eiern im Hofladen. 200 freilaufende Legehennen gibt es auf dem Hühnerhof vom „Kölner Bio-Bauer“, außerdem kauft der Betrieb Eier aus Brandenburg dazu.

Kunden wünschen Transparenz

Die Eier der eigenen Hennen bekommt man nur mit Vorbestellung, so groß ist die Nachfrage. „Wir kriegen im Moment teilweise panische Anrufe von Kunden, die wissen wollen, ob unsere zugekauften Eier unbelastet sind.

Sie wünschen sich Transparenz. Wenn wir ihnen erklären, woher die Eier kommen, sind sie aber beruhigt.“ Auf dem Bio-Hof wird regelmäßig die Qualität geprüft, die Bauern wissen, woher das Futter kommt. „Das persönliche Verhältnis zu dem, der die Eier verkauft, ist für die Kunden sehr wichtig“, so Werner-Hufsky. „Das merken wir im Moment sehr. Im Supermarkt fehlt ihnen dieser Ansprechpartner anscheinend.“

Auch beim Großbäcker Kraus setzt man bei der Zusammenarbeit auf persönliche Kontakte. „Ich bin gerade sehr froh, dass wir seit ein paar Jahren unsere Eier von regionalen Bauern bekommen. Ich möchte die Leute kennen und anrufen können“, sagt Inhaber Stephan Kraus. Von seinen beiden Eierlieferanten habe er gerade eine Bestätigung bekommen, dass die Eier nicht belastet seien.

„Bei einem Eierskandal vor ein paar Jahren wollte ich das Thema ein für allemal lösen“, sagt Kraus. Danach habe man vom Großhändler zum regionalen Bauern gewechselt. „Wir verwenden auch kein Flüssig-Ei aus Tanks. Wir schlagen die Eier vor Ort auf und verarbeiten sie frisch. So wie früher.“

Viele andere Kölner Bäcker und Konditoren werden vom Großhändler Bäko mit Eiern versorgt. „Anhand der aufgestempelten Nummern auf den Eiern wird geprüft, ob die Eier verunreinigt sind“, erklärt Alexandra Dienst von der Kölner Bäcker-Innung. „Das ist ein einfaches Verfahren. Dass so viele Eier betroffen sind, ist allerdings ein ganz neues Phänomen.“

Auf dem Nippeser Wochenmarkt am Wilhelmplatz kriegt auch Händler Klaus Wißkirchen die Auswirkungen des Eierskandals zu spüren: „Die Kunden sind sehr skeptisch geworden. Wir haben am Stand heute extra schriftliche Bestätigungen ausgelegt, dass unsere Eier nicht belastet sind.“ Auch wenn der letzte Zweifel nach einem längeren Gespräch nicht immer ausgeräumt werden kann, kaufen ihm die Kunden weiterhin Eier ab. „Es dauert nur länger“, sagt Wißkirchen.

Brigitte Jander steht seit 20 Jahren regelmäßig auf dem Wilhelmplatz. „Die Kunden kennen meine Eier und kaufen genau so viel wie sonst auch. Wir sprechen über das Thema, weil es einen nun mal beschäftigt“, erzählt die Marktfrau. „Ich weiß aber genau, wie der Kleinbauer aus Hürth seine Hühner hält, bei dem ich meine Eier kaufe. Die Hühner da haben wirklich einen goldenen Popo.“

Die Küche des städtischen Seniorenzentrums in Riehl kriegt seine Eier seit 30 Jahren vom gleichen Lieferanten. „Transparenz ist hier ganz wichtig“, sagt Küchenleiter Jakob Eich von den Sozial-Betrieben Köln. „Und wir haben eine gute Vertrauensbasis. Unser Lieferant hat mir versichert, dass die Eier nicht belastet sind. Trotzdem muss natürlich jeder für sich selber die Entscheidung treffen, ob er das Frühstücksei isst oder nicht.“

Acht Hühner im Garten

Familie Ensel aus Bayenthal muss sich mit der Frage, ob sie in Sachen Eiern vertraut oder verzichtet, gar nicht auseinandersetzen. Sie hält acht Hühner in ihrem Garten und hat sogar genug Eier, um Freunde und Nachbarn zu beschenken. „Damit machen wir im Moment viele Leute glücklich. Und bisher musste ich keine Rückrufaktion starten“, lacht Peter Ensel. „Das ist für uns ein ganz klarer Vorteil, dass all diese Lebensmittelskandale bei Eiern einfach an uns vorbeiziehen. Und die Hühner haben ein wirklich feines Leben.“

Der Stall hat ein Freigehege, manchmal dürfen die Hühner sogar durch den ganzen Garten spazieren. Auf einen lauten Hahn verzichtet die Familie ganz bewusst. „Aber auch die Damen können morgens schon recht viel Krach machen. Dafür kriegen die Nachbarn dann von uns ein Extra-Ei.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta