Finanzministerium warnt vor staatlicher Digitalwährung


Kommt der Euro-Coin? Erste Ideen gibt es bereits: Schweden und die Schweiz prüfen die Einführung einer digitalen Version ihrer Landeswährung. Die deutsche Regierung sieht das allerdings skeptisch, wie aus einer Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums an den grünen Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick hervorgeht, die dem Handelsblatt vorliegt.

„Es gibt in Deutschland und der Eurozone bislang keine überzeugenden Gründe für die Emission digitalen Zentralbankgeldes für einen breiten Nutzerkreis“, heißt es darin. Dessen potenzielle Vorteile, darunter besonders schnelle Überweisungen, ließen sich auch auf anderem Wege realisieren.

Auch für Geschäftsbankengeld gibt es etwa neuartige digitale Bezahlverfahren, die Überweisungen beschleunigen. Die Ausgabe digitalen Zentralbankgelds berge „eine Reihe von Risiken, deren sichere Beherrschung und Begrenzung bislang noch nicht hinreichend verstanden sind“.


So hätte die Einführung eines digitalen Zentralbankgelds aus Sicht des Finanzministeriums zur Folge, dass die Notenbank eine viel stärkere Stellung im Finanzsystem bekäme, was ihre Unabhängigkeit gefährden könnte. Zudem würde sich die Rolle der Geschäftsbanken ändern, was Auswirkungen auf ihre Kreditvergabe und ihre Refinanzierung hätte.

Außerdem befürchten die Beamten, dass sich in einer Krise ein sogenannter Bankrun mit digitalem Zentralbankgeld wegen geringerer Transaktionskosten schneller und in größerem Umfang vollziehen könnte. Auch die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung würde erschwert.

Im Mai hatte die Schweizer Regierung beschlossen, die Chancen und Risiken eines sogenannten E-Frankens zu prüfen. Der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Agustin Carstens, hatte vor Kurzem im Handelsblatt-Interview gesagt, dass „digitale Währungen durchaus Potenzial haben“. Es komme aber darauf an, von wem sie ausgegeben würden. Zentralbanken hätten die institutionellen Möglichkeiten dazu.


„Sie haben erfolgreich bewiesen, dass sie verschiedene Geldformen einsetzen und dabei die Stabilität des Finanzsystems wahren können“, so Carstens. In Schweden hat sich bereits die Notenbank mit der Entwicklung einer digitalen Krone – der E-Krona – befasst. Auch Australiens Notenbank steht derartigen Ideen offen gegenüber.

Im Gutachten des Bundesfinanzministeriums heißt es, dass jeglicher Schritt einer Zentralbank in Richtung der Herausgabe digitalen Zentralbankgelds für einen breiten Nutzerkreis „sehr genau abgewogen werden“ müsse. Weitere Analysen der möglichen Auswirkungen digitalen Zentralbankgelds seien notwendig.