Finanzexperte: Bitcoin-Futures erhöhen Ansteckungsgefahr der Finanzmärkte

dpa-AFX

DÜSSELDORF/FRANKFURT (dpa-AFX) - Finanzexperten warnen immer stärker vor den Gefahren von unregulierten Kryptowährungen wie dem Bitcoin. Wie gefährlich das Wachstum der stark schwankungsanfälligen sogenannten Digitalwährungen für die Stabilität des Finanzsektors sei, sei heute zwar schwer zu beurteilen, sagte der Frankfurter Finanzprofessor Volker Brühl dem "Handelsblatt" (Mittwoch). "Es ist aber zu erwarten, dass mit der Einführung von Futures auf den Bitcoin verstärkt Hedgefonds investieren. Dadurch steigt das Risiko von Ansteckungsgefahren, die von einem Platzen der Kursblase ausgehen können", so der Wissenschaftler des Center for Financial Studies in Frankfurt.

"Der Blick auf Bitcoin und Co. allein ist nicht mehr aussagekräftig", sagte Brühl im Hinblick auf das im Vergleich mit staatlich-regulierten Währungen geringe Marktvolumen aller Kryptowährungen von 600 Milliarden US-Dollar. "Derzeit werden zahlreiche Produkte geschaffen, mit denen die Kryptowährungen im klassischen Finanzsystem ankommen. Ich halte zum Beispiel die Auflegung von Futures aktuell für einen Fehler", so Brühl. "Damit wird eine weitere Kursexplosion gezündet und unverdiente Legitimation verliehen."

Der Experte plädierte für eine schnelle Regulierung. "Der Bitcoin ist keine klassische Währung, sondern eine Verrechnungseinheit." Er werde auf intransparenten Märkten getauscht. "So bleibt unklar, wer zu welchem Zweck Bitcoins handelt", sagte Brühl. "Der Kassa-Markt muss schleunigst reguliert werden."

Frühere Finanzkrisen hätten oft klein begonnen, sagte der Wissenschaftler dem Blatt. In der US-Immobilienkrise habe es anfangs nur auf einzelnen Märkten an der Westküste eine sehr kleine Krise gegeben. "Am Ende weitete sich diese auf viele Bereiche des Systems aus. Ich sage: Wehret den Anfängen."

Seit Jahresbeginn ist der Bitcoin, der auf Plattformen im Internet gehandelt wird, massiv im Wert gestiegen: von rund 1000 Dollar auf annähernd 20 000 Dollar. Je höher der Kurs stieg, desto lauter wurden die mahnenden Stimmen aus der Politik und den Notenbanken.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sprach sich Anfang der Woche jedoch ausdrücklich gegen eine Regulierung aus geldpolitischer Sicht aus. "Nur weil Anleger Geld verlieren können, ist das noch kein Grund, einzuschreiten", sagte er am Montagabend. Allerdings verwies Weidmann auf den spekulativen Charakter der Kryptowährung. Die Bezeichnung als Digitalwährung hielt er für zudem für irreführend: "Ein Zahlungsmittel sollte ja eine Wertstabilität aufweisen. Diese Eigenschaften fehlen dem Bitcoin."