Spaniens Routiniers kämpfen gegen Finalfluch

Spaniens Handballer wollen im sechsten Anlauf endlich den ersten EM-Titel holen

High Noon bei der Handball-Europameisterschaft in Kroatien: Im Finale am Sonntag (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) kämpft Spanien gegen Rekord-Europameister Schweden um den Titel. 

Nach dem Überraschungs-Coup gegen Weltmeister Frankreich wollen sich die Iberer im sechsten Anlauf endlich die EM-Krone aufsetzen.

"Dieses Gefühl ist sehr schön", sagte der Ex-Kieler Joan Canellas, berauscht vom erstaunlich ungefährdeten 27:23-Halbfinalerfolg gegen den großen Turnierfavoriten.

Doch schon im nächsten Atemzug erinnerte der erfahrene Rückraumspieler daran, dass die Mission des Deutschland-Bezwingers noch nicht erfüllt ist. "Wir sind zufrieden, aber das waren wir auch schon vor zwei Jahren. Jetzt wollen wir Geschichte schreiben."

Spanien kämpft gegen Finaltrauma

Das wollten die Spanier schon öfter. Fünf Mal standen die Iberer in einem EM-Endspiel, fünf Mal scheiterten sie. Zuletzt 2016 in Polen an Deutschland. Bloß kein weiteres Déjà-vu, der Finalfluch soll endlich besiegt werden.

"Das war von Anfang an unser Ziel", sagte Abwehrchef Gedeon Guardiola vom deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen. Zum Vergleich: Für Schweden geht es am Sonntag schon um EM-Titel Nummer fünf.

Die Skandinavier setzten sich im Halbfinale in einem Krimi erst in der Verlängerung gegen Olympiasieger Dänemark durch.


Die große Stärke der Spanier, die vor dem Turnier wie die Skandinavier nicht zu den ganz großen Favoriten zählten, liegt in der Erfahrung.

Mit 30,5 Jahren liegt der Altersschnitt des EM-Kaders weit über dem der anderen Teams. Neun Spieler haben die 30 bereits überschritten. "Das ist unser Geheimnis", sagte Guardiola: "Unsere Combo ist unglaublich gut. Wir haben junge Außen und Erfahrung im Rückraum. Das ist perfekt."

Hinzu kommt seit Freitag ein weiterer Trumpf namens Arpad Sterbik. Der 38 Jahre alte Torhüter, der seine internationale Karriere eigentlich längst beendet hatte, steht nach der Verletzung von Stammkeeper Gonzalo Perez de Vargas plötzlich wieder im Aufgebot.

"Maschine" Sterbik im Tor flößt Gegnern Angst ein

Den Franzosen flößte der Weltmeister von 2013, Spitzname "serbischer Bär", so viel Respekt ein, dass sie gleich drei Mal vom Siebenmeterpunkt an ihm scheiterten.

"Er ist wie eine Maschine", sagte Canellas über den Welthandballer von 2005, der seine erste WM-Medaille vor 19 Jahren mit Jugoslawien gewann. Sterbik habe "Kraft im Kopf" und "viel Erfahrung. Du hast immer ein bisschen Angst, wenn du gegen ihn wirfst."

Neben seinen hervorragenden Torhütern besticht Spanien mit einer kompromisslosen Abwehr und einem konzentriertem Angriffsspiel. Während die Schweden im Halbfinale gegen Olympiasieger Dänemark mit ihrem spektakulären Tempospiel für Furore sorgten, liegt bei den Spaniern die Kraft eher in der Ruhe. 

Diese Qualitäten werden die "Alten Herren" auch am Sonntag in die Waagschale werfen, um sich ihren großen Traum zu verwirklichen: Nach den WM-Triumphen von 2005 und 2013 wollen die Spanier endlich auch den EM-Thron besteigen.

Im Bronzespiel stehen sich dagegen die Franzosen, für die es nach zuvor sechs Siegen die erste Turnier-Niederlage war, und Dänemark in einer Neuauflage des Olympiafinales gegenüber (So., ab 18 Uhr im LIVETICKER).

SPIEL UM PLATZ DREI
Sonntag, 28. Januar in Zagreb
Frankreich - Dänemark (18 Uhr)

FINALE
Sonntag, 28. Januar in Zagreb
Spanien - Schweden (20.30 Uhr)