Deutsche Besitzer trimmen Bradford auf Premier League

Marvin Tischler, Sven Sartison, Florian Mesner

Edin Rahic hat sich etwas getraut, was vor ihm noch kein Deutscher wagte. 2016 kaufte er den englischen Drittligisten Bradford City und ist damit der erste deutsche Klubbesitzer im Mutterland des Fußballs.

Die "Bantams", wie der Arbeiterclub genannt wird, haben eine große Tradition. Zwischen 1999 und 2001 spielten sie schon in der Premier League. Dann kam der Absturz bis in die vierte Liga. Unter Rahic und seinem Geschäftspartner Stefan Rupp soll es langfristig wieder ins Oberhaus des englischen Fußballs gehen.

Rahic, der früher selbst Drittligafußball zusammen mit Fredi Bobic bei den Stuttgarter Kickers spielte, wurde für seinen Traum, einen Fußballklub zu kaufen, oft belächelt. Doch nachdem zwei Achillessehnen-Risse seine Fußball-Karriere beendet hatten, konzentrierte er sich mit Erfolg auf die Dinge neben dem Platz.

"Wenn ich mit Fußballfans spreche, hat jeder den Traum, einen Fußball-Club zu kaufen - und ich habe es gemacht", sagte Rahic im Gespräch mit SPORT1. "Mich hat es immer interessiert, was hinter dem Klub passiert und nicht auf dem Platz. Es muss ja Gründe geben warum Spieler aufgestellt werden und andere nicht, warum Spieler gekauft werden."

Brandunglück schweißt Bradford zusammen

Nach einer gründlichen Analyse aller 72 Vereine in den vier oberen englischen Ligen fiel die Wahl auf Bradford City. Grund dafür waren vor allem die Schuldenfreiheit und die sportliche Situation des Klubs.

Denn Bradford City war auf dem Weg nach oben. Schon zum Zeitpunkt der Übernahme durch die "German Owners" spielten die "Bantams" um den Aufstieg in die zweite Liga mit. "Es war ein sehr warmherziger Empfang", schildert Rahic den ersten Eindruck. "Das hat uns überrascht."

Der Zusammenhalt in Bradford ist enorm. Nicht zuletzt das Brandunglück am letzten Spieltag der Saison 1984/85, bei dem 56 Menschen ums Leben kamen, schweißte die Menschen und den Klub zusammen.


Das führte vorübergehend zu leichten Irritationen, als Befürchtungen aufkamen, Rahic und sein Geschäftspartner würden den Klub nach dem verpassten Zweitligaaufstieg komplett umkrempeln wollen. Vor allem der Tribünenbesuch des deutschen Trainers Uwe Rösler, einer Manchester-City-Legende, sorgte diesbezüglich für Aufsehen.

Deutsches Bier im Stadion

Doch die Fans merkten schnell: Das Gegenteil war der Fall. Rahic holte Klublegende Stuart McCall zurück und suchte neue junge Spieler.

Der Verein hat seine Identität behalten. Die beiden Deutschen sind voll akzeptiert, dürfen sogar scherzhaft deutsches Bier und Bratwürste im Stadion einfordern, ohne schief angesehen zu werden. 19.000 Dauerkarten hat der Drittligist für diese Saison verkauft. Im Übrigen die günstigste in ganz England.

Und dass inzwischen auch drei Deutsche in Bradford spielen, nimmt Rahic und Ropp erst recht keiner krumm. Die beiden Torhüter Rouven Sattelmaier, früher mit Heidenheim in der Zweiten Bundesliga, und Lukas Raeder, der 2014 zwei Bundesligaspiele für den FC Bayern machte, duellieren sich um die Stammkeeper-Position. Mittelstürmer Joel Grodowski kam zur aktuellen Saison.

Erfolgsgeschichte läuft im Kino

Mit ihnen kämpft Bradford auch in dieser Saison um den Aufstieg, es wird wieder eng. Doch das Interesse an der Geschichte des englischen Traditionsklubs mit der deutschen Farbe wächst. Auch in der breiten Öffentlichkeit. So feierte der Dokumentarfilm "A Matter of Heart" (eine Herzensangelegenheit) über Rahics Geschichte mit Bradford City im November 2017 seine Kinopremiere in Deutschland.

Die soll so schnell nicht enden, kündigt der Klubbesitzer an: "Solange wir nicht in der Premier League sind, werden wir bei Bradford City bleiben."