Film: Der Cannes-Sieger "The Square" provoziert seine Zuschauer

Man lacht und ist doch peinlich berührt: Ruben Östlund hat eine Satire auf den modernen Menschen und seine Doppelmoral gedreht.

Welch ein Affentheater. Bei einem Museumsdiner wird als Performance die Konfrontation mit einem wilden Tier angekündigt. Stattdessen springt ein halb nackter Mann herein, der auf Primat macht und auf die gedeckten Tische springt. Das kann man lustig oder peinlich finden.

Als der "Künstler" eine Frau unter den Gästen drangsaliert, guckt der Saal lange betreten weg. Als die Performance außer Kontrolle gerät und die wimmernde Frau zu Boden gerissen wird, schreitet doch noch einer der Gäste ein. Damit ist ein Damm gebrochen. Immer mehr der wohlsituierten Herren springen auf – und prügeln und treten auf den Künstler ein. Das Tier im Manne, es schlummert auch in ihnen.

Über Wohl und Wehe der westlichen Gesellschaft

Es sind solche Szenen, die Ruben Östlunds Film "The Square" manchmal unerträglich und doch so eindringlich machen. Weil er uns auf schmerzhafte Weise einen Spiegel vorhält. Eigentlich geht es hier um einen Museumskurator, dem die Quadratur des Kreises gelingen soll: neue Publikumsscharen anziehen, Medieninteresse wecken und trotzdem die altehrwürdigen Sponsoren nicht verprellen. Aber dann bricht durch eine Banalität das ganze moralische Gerüst dieses Kulturmachers zusammen.

Die Kunstszene ist klein, elitär, auch ein bisschen abgehoben. Und wenn ich schon nicht oft ins Museum gehe, so kann man sich als Zuschauer fragen, muss ich da ins Kino, um hinter die Kulissen zu blicken? Aber ja. Weil hier über nichts weniger als Wohl, Wehe und Werte der ganzen westlichen Welt verhandelt...

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