"Die FIFA ist momentan unzurechnungsfähig": ZDF-Experte Christoph Kramer über "One Love"-Kapitänsbinde

Mit der "One Love"-Kapitänsbinde wollten mehrere Nationen während der Fußballweltmeisterschaft in Katar ein Zeichen für Menschenrechte setzen. Die FIFA untersagte diesen Schritt und drohte mit Sanktionen. Im ZDF fand Experte Christoph Kramer dazu deutliche Worte.

Ex-Nationalspieler Christoph Kramer ist während der Fußball-WM in Katar als ZDF-Experte im Einsatz. (Bild: ZDF / Felix Schmitt)
Ex-Nationalspieler Christoph Kramer ist während der Fußball-WM in Katar als ZDF-Experte im Einsatz. (Bild: ZDF / Felix Schmitt)

"Es hat sich gezeigt, dass die Politik des längeren Hebels funktioniert." Ex-Nationalspieler, Gladbach-Profi und ZDF-Experte Christoph Kramer nahm im Interview mit ZDF-Moderator Jochen Beyer am Nachmittag klar Stellung zur laufenden Debatte rund um das Thema Kapitänsbinde bei der WM in Katar.

Beim letzten Testspiel im Oman hatte Deutschlands Kapitän Manuel Neuer die "One Love"-Binde als Zeichen für Toleranz und Diversität noch getragen. Jetzt jedoch, nur wenige Stunden nach Turnierstart, ist klar, dass die sieben Kapitäne aus Europa, die die Binde tragen wollten, darauf verzichten werden. Die FIFA hatte sportliche Sanktionen angedroht.

"Die FIFA ist momentan unzurechnungsfähig", urteilte Christoph Kramer nach der Entscheidung. Er wies auch darauf hin, dass schon durch die laufende Debatte rund um die Kapitänsbinde die FIFA auch Schaden genommen habe. Darüber hinaus appellierte er an die Öffentlichkeit, Kritik nicht an den Spielern zu üben. "Ich finde es nicht richtig, dass sie die Suppe auslöffeln müssen."

Unklare Konsequenzen

Was genau den Spielern oder dem deutschen Verband drohen würde, würden sie sich über das Verbot hinwegsetzen, bleibt derweil weiterhin unklar. ZDF-Schiedsrichterexperte Manuel Gräfe konnte zunächst auch nur spekulieren. Während des Spiels hätte ihm zufolge nach einem entsprechenden Hinweis eine gelbe Karte für die Kapitäne die Konsequenz sein können. Der Grund: Die Vorgaben zur Ausrüstung der Spieler bei einer WM sind seit jeher eindeutig geregelt. Ein zweite gelbe Karte für das gleiche Vergehen sei innerhalb eines Spiels aber nicht möglich. Offen sei indes, wie die FIFA im Nachhinein mit dem Thema umgegangen wäre. Der Sanktionskatalog sei hier offen.

Auch England hatte zunächst signalisiert, die "One Love"-Binde zu tragen. Dann jedoch, nach dem Eingreifen der FIFA, lief Kapitän Harry Kane in der Partie gegen den Iran mit der Binde zur FIFA-Kampagne "No Discrimination - Keine Diskriminierung" auf. Sie entspreche dem Ausrüstungsreglement, erklärte die FIFA. Auch Virgil van Dijk, Kapitän der Niederlande, trug bei der Partei gegen Senegal die "No Discrimination"-Binde.

VIDEO: Nach FIFA-Drohungen: Kapitän Neuer verzichtet auf „One Love"-Binde