«Fidelito» ist tot: Sohn von Fidel Castro gestorben

Fidel Castros ältester Sohn, Fidel Castro Díaz-Balart, im Jahr 2002 während einer Konferenz in Havanna. Foto: Javier Galeano

Sein eigener Vater Fidel Castro hatte ihn einst wegen «Ineffizienz» gefeuert. Zuletzt war der Atomphysiker aufgrund einer schweren Depression in ärztlicher Behandlung. Jetzt hat sich der wissenschaftliche Berater der Regierung Kubas das Leben genommen.

Havanna (dpa) - «Fidelito» ist tot: Der älteste Sohn des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro habe Suizid verübt, berichtete die Parteizeitung «Granma».

Fidel Ángel Castro Díaz-Balart habe seit Monaten unter schweren Depressionen gelitten und sei von einem Ärzteteam behandelt worden. Zunächst sei der 68-Jährige stationär in einem Krankenhaus, zuletzt aber nur ambulant betreut worden, hieß es in dem Bericht.

«Er hat sich heute Morgen das Leben genommen», sagte eine Nachrichtensprecherin im Staatsfernsehen. Die Beerdigung werde im engen Familienkreis stattfinden. Die Nachricht löste bei den Kubanern Erstaunen aus: Üblicherweise gibt die kubanische Regierung keine Details über die Todesumstände von Funktionären bekannt - besonders nicht, wenn es sich um Suizid handelt.

«Fidelito», wie er auf der sozialistischen Karibikinsel genannt wurde, war der einzige Sohn aus der Ehe von Fidel Castro mit Mirta Díaz-Balart. Castro hatte die junge Frau aus vornehmen Hause 1948 geheiratet. Sie verließ ihn 1954, als der Revolutionär nach dem gescheiterten Überfall auf die Moncada-Kaserne im Gefängnis saß, und ging in die USA.

Fidel Ángel Castro Díaz-Balart kam 1949 in Havanna zur Welt. Er sah seinem Vater sehr ähnlich. Fidel Castro hatte mindestens sieben Kinder. Der «Máximo Líder» machte allerdings um sein Familienleben immer ein Geheimnis.

Fidel Ángel Castro Díaz-Balart studierte Atomphysik in der damaligen Sowjetunion. Aus Sicherheitsgründen war er dort unter dem falschen Namen José Raúl Fernández eingeschrieben. Von 1980 bis 1992 leitete er das kubanische Atomprogramm, bevor er von seinem Vater wegen «Ineffizienz in der Ausführung seiner Funktionen» abgesetzt wurde.

Er vertrat Kuba bei der Internationalen Atomenergie-Organisation und bei der Koordinierungsgruppe der Blockfreien Staaten zur friedlichen Nutzung der Atomenergie. Zudem war er für den Bau des nie fertiggestellten Atomreaktors Jaraguá bei Cienfuegos verantwortlich. Zuletzt war er wissenschaftlicher Berater der Regierung und Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften in Kuba.

Er war mit der Russin Natascha Smirnowa verheiratet, mit der er drei Kinder hatte: Mirta María, Fidel Antonio und José Raúl. Das Paar ließ sich scheiden und «Fidelito» heiratete die Kubanerin María Victoria Barreiro. Mütterlicherseits ist er mit den Brüdern Lincoln und Mario Díaz-Balart verwandt, die als Kongressabgeordnete von Miami aus Stimmung gegen die sozialistische Regierung in Havanna machten.

Fidel Ángel Castro Díaz-Balart reiste viel und nahm an internationalen Kongressen teil. Zum letzten Mal trat er im August vergangenen Jahres öffentlich in Erscheinung, als der Chemie-Nobelpreisträger Peter Agre in die Kubanische Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde.

Sein Vater Fidel Castro war am 25. November 2016 im Alter von 90 Jahren gestorben. Er hatte das Land 47 Jahre regiert und sich 2006 aus der aktiven Politik zurückgezogen. Im kommenden April will auch sein Nachfolger und Bruder Raúl Castro zurücktreten. Erstmals seit fast 60 Jahren steht dann kein Castro mehr an der Staatsspitze in Kuba.