Fiat-Chrysler und Ferrari müssen Chef aus gesundheitlichen Gründen ersetzen

Nach der überraschenden Ablösung von Sergio Marchionne an der Spitze von Fiat-Chrysler ist der Kurs des Autokonzerns am Montag an der Börse in Mailand gefallen

Wegen akuter Gesundheitsprobleme müssen die Autobauer Fiat-Chrysler und Ferrari ihren Chef Sergio Marchionne ersetzen. Nach einer Schulteroperation leide der 66-Jährige unter Komplikationen und werde nicht mehr arbeiten können, teilte Fiat-Chrysler am Samstag mit. An seiner Stelle werde der Vorstandschef der Chrysler-Tochtermarke Jeep, der Brite Mike Manley, das Ruder übernehmen.

Marchionnes Chefposten bei dem von Fiat-Chrysler abgespaltenen Luxus-Autobauer Ferrari werden aufgeteilt. Vorstandschef wird Louis Carey Camilleri, der bislang den Tabakkonzern Philip Morris leitete. Präsident wird John Elkann, der Enkel des legendären früheren Fiat-Chefs Gianni Agnelli. Laut Ferrari müssen dessen Anteilseigner dem Wechsel an der Spitze aber noch zustimmen.

Bislang war geplant, dass Marchionne seinen Posten als Chef von Fiat-Chrysler im nächsten Jahr niederlegt. Wegen "unerwarteter Komplikationen" nach der OP werde er aber "nicht mehr in der Lage sein, an die Arbeit zurückzukehren". In den vergangenen Stunden habe sich sein Zustand "erheblich verschlechtert", berichtete der US-italienische Konzern nach Krisensitzungen der Aufsichtsräte der betroffenen Unternehmen.

Marchionne hatte die Führung bei Fiat-Chrysler 2004 übernommen und den Autobauer in den vergangenen 14 Jahren einschneidend umgebaut. Er brachte die kriselnde Kernmarke Fiat auf Vordermann, betrieb die 2014 vollzogene Fusion mit dem US-Autobauer Chrysler zu einer neuen Dachmarke. 2016 gliederte er dann Ferrari aus dem Konzern aus und brachte den Sportwagenbauer separat an die Börse.

Neben seiner Tätigkeit bei Fiat-Chrysler blieb er danach aber weiterhin Chef bei Ferrari. Der Ferrari-Aufsichtsrat reagierte nach eigenen Angaben mit "großer Traurigkeit" auf die Nachricht vom Ausscheiden des Managers.

Die Geschicke von Fiat-Chrysler und Ferrari werden maßgeblich von der Familie Agnelli bestimmt. Deren Holding hält 30 Prozent an Fiat-Chrysler, 23 Prozent an Ferrari und 27 Prozent an dem Nutzfahrzeugbauer CNH Industrial, in den die entsprechenden Aktivitäten von Fiat vor einigen Jahren ausgelagert wurden. Der neue Ferrari-Präsident Elkann ist der Vorstandschef der Holding.

Marchionne leitete auch CNH Industrial. Dort wird er durch die Britin Suzanne Wood ersetzt. Die Auto-Expertin der Beratungsfirma IHS Markit, Stephanie Brinley, sagte, Fiat-Chrysler habe sich schon seit längerem nach einem Marchionne-Nachfolger umgesehen. Der neue FCA-Chef Manley sei bereits an der Ausarbeitung des aktuellen Fünfjahresplans beteiligt gewesen. Daher werde der Stabswechsel voraussichtlich weitgehend reibungslos verlaufen.

Überdies steht Fiat-Chrysler wirtschaftlich derzeit gut da. 2017 verbuchte der Konzern Rekordergebnisse. Seine Verschuldung führte er auf Null zurück, nachdem sie Ende 2014 noch 7,7 Milliarden Euro betragen hatte. Die Luxusmarke Ferrari hatte 2017 ihren Umsatz um zehn Prozent auf 3,417 Milliarden Euro gesteigert, ihren Gewinn erhöhte sie um 34 Prozent auf 537 Millionen Euro.