Festnahme von serbischem Unterhändler im Kosovo provoziert neue Spannungen

Rangeleien bei Djurics Festnahme in Mitrovica

Neue Spannungen im Verhältnis zwischen Serbien und dem Kosovo: Die Polizei des Kosovo nahm am Montag den serbischen Unterhändler Marko Djuric fest und provozierte damit wütende Reaktionen aus Belgrad. Serbiens Präsident Aleksander Vucic warf Pristina eine "Entführung" seines Kosovo-Unterhändlers vor. Die kosovarische Polizei legte Djuric zur Last, ohne Genehmigung in das Kosovo eingereist zu sein.

Kosovarische Polizeieinheiten nahmen den Unterhändler in der hauptsächlich von Serben bewohnten Stadt Mitrovica im Norden des Kosovo fest, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Djuric nahm dort an einer öffentlichen Veranstaltung teil. Die Polizei setzte Tränengas ein, um Dutzende Menschen auseinanderzutreiben, die Djurics Festnahme verhindern wollten.

Djuric wurde nach kosovarischen Polizeiangaben in ein Polizeirevier in der Hauptstadt Pristina gebracht. Kosovos Präsident Hashim Thaci teilte mit, der serbische Unterhändler sei dann von der Polizei zurück an die serbische Grenze eskortiert worden.

Serbiens Präsident Vucic warf der kosovarischen Polizei die Misshandlung des Festgenommenen vor: "Sie haben ihn geschlagen und unter Buh-Rufen durch die Straßen von Pristina geschleppt, um die Erniedrigung zu vervollkommnen." Vucic kündigte an, dass "alle, die an dieser Entführung beteiligt waren, juristisch verfolgt" würden.

Das mehrheitlich von ethnischen Albanern bewohnte Kosovo war nach dem Kosovokrieg mit 13.000 Toten und dem Ende der Nato-Luftangriffe im Jahr 1999 unter internationale Verwaltung gestellt worden. Zuvor war es eine serbische Provinz.

2008 hatte sich das Kosovo einseitig für unabhängig erklärt. Mehr als 110 Länder, darunter die meisten EU-Staaten, erkannten die Unabhängigkeit mittlerweile an. Aber die Regierung in Belgrad sträubt sich dagegen.

2011 waren unter EU-Vermittlung Verhandlungen über die Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo begonnen worden. Sie kamen aber in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr voran.

Vucic, der seit 2017 Präsident ist, fährt seit längerem einen EU-freundlichen Kurs. In den vergangenen Wochen hatte er mehrfach seine Kompromissbereitschaft in der Kosovo-Frage signalisiert.