Festnahme von Audi-Mitarbeiter wegen Diesel-Skandals

Der im Zusammenhang mit der Abgasaffäre inhaftierte ehemalige Audi-Manager Giovanni P. ist offenbar zur Aussage bereit. Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte den Anwalt des 60-jährigen Italieners, Walter Lechner, mit den Worten: "Mein Mandant sagt aus."

Erstmals ist im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal bei Volkswagen in Deutschland ein Tatverdächtiger festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft München II bestätigte am Freitag Berichte, wonach ein Mitarbeiter der VW-Tochter Audi in Untersuchungshaft sitze. Der in Deutschland inhaftierte Manager könnte in die USA ausgeliefert werden, wo bereits Anklage gegen ihn erhoben wurde.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde der Mann am Montag festgenommen. Er sei dem Ermittlungsrichter vorgeführt worden und befinde sich seit Dienstag in Untersuchungshaft. Dem Mann so wie mehreren anderen Beschuldigten werde Betrug und unlautere Werbung vorgeworfen.

Ob mit der Festnahme auch Beweismittel gesichert wurden und ob die Festnahme im Zusammenhang mit der Razzia bei Audi im März steht, wollte die Sprecherin nicht sagen. Gegen Mitglieder des Vorstands werde nicht ermittelt, sagte sie.

Nach einem Bericht von "Spiegel" und "Bild"-Zeitung handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen Motorenentwickler von Audi namens Giovanni P. Er war zwischen 2006 und 2015 verantwortlich für die Systeme zur Abgaskontrolle bei Dieselmotoren von Audi in den USA.

Laut "Bild" wurde P. im September von Audi beurlaubt. Nach den Informationen der Zeitung soll er Mitarbeiter zum Einsatz von Schummel-Software angewiesen haben, da er mit seinem Team daran gescheitert sei, einen Motor zu entwickeln, der die in den USA gültigen Schadstoffgrenzen einhält.

In den USA erhob die Justiz derweil Anklage gegen den 60-jährigen Italiener. Er sei an einer "Verschwörung" zum Betrug der Behörden beteiligt gewesen, durch den die wahren Abgaswerte verschleiert werden sollten, teilte das US-Justizministerium mit. Die US-Justizbehörden hatten eine erste Anklage gegen einen VW-Mitarbeiter im September 2016 erhoben, der sich schuldig bekannte. Seither wurden in den USA weitere VW-Mitarbeiter belangt.

Wegen seiner italienischen Staatsbürgerschaft könnte der in Deutschland inhaftierte Tatverdächtige bei einem entsprechenden Gesuch ausgeliefert werden - Deutschland liefert nur keine deutschen Staatsbürger aus.

VW hatte im September 2015 auf Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeuge unterschiedlicher Marken des Konzerns eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm reduziert den Ausstoß von schädlichen Stickoxiden bei standardisierten Tests.