Festgenommener Hongkonger Verleger Gui taucht in Video auf

Knapp drei Wochen nach seiner Festnahme ist der regierungskritische Hongkonger Verleger Gui Minhai öffentlich aufgetaucht. In einem Video, das ihn bei einem Interview mit chinesischen Medien zeigt, räumt Gui einen Gesetzesbruch ein und erhebt schwere Vorwürfe gegen Schweden, dessen Staatsbürgerschaft er besetzt: Stockholm habe ihn zu einer Straftat angestiftet, bausche seinen Fall gegen seinen Willen auf und behandle ihn wie eine "Schachfigur".

Dem Video war nicht zu entnehmen, ob das Geständnis und die Anschuldigungen gegen Schweden erzwungen waren. Dies wird in Guis Umfeld aber vermutet. Ein enger Freund des 53-Jährigen sagte der Nachrichtenagentur AFP, weil Gui nicht frei sei, dürfe den Äußerungen kein Glaube geschenkt werden. "Wie können wir glauben, dass die Worte eines Menschen wahr sind, der unterdrückt ist wie ein Gefangener?", sagte der regierungskritische Dichter Bei Ling.

Gui war nach Angaben seiner Tochter Ende Januar in einem Zug nach Peking festgenommen worden, obwohl er von schwedischen Diplomaten begleitet wurde. Der 53-Jährige war demnach auf dem Weg zu einem schwedischen Arzt in Peking, weil er womöglich unter der Nervenerkrankung ALS leidet.

Schweden, die EU und die USA haben die Freilassung Guis gefordert. Die schwedische Außenministerin Margot Wallström protestierte gegen die "brutale" Verschleppung des Verlegers. Erst am vergangenen Dienstag bestätigte China offiziell Guis Festnahme, ohne aber Angaben zu den Vorwürfen gegen ihn zu machen.

Das nun veröffentlichte Video soll am Freitag bei einem von den Behörden organisierten Interview mit ausgewählten chinesischen Medien entstanden sein. "Ich habe gesagt, dass ich nicht will, dass Schweden weiter aufbauscht, was mir passiert ist", sagt Gui darin. "Aber offenbar hat Schweden nicht damit aufgehört."

Seinen Worten zufolge hätten ihn schwedische Regierungsvertreter dazu gedrängt, China zu verlassen, obwohl ihm das wegen eines laufenden Verfahrens untersagt ist. "Ich habe mehrfach abgelehnt. Aber weil sie mich pausenlos bedrängt haben, habe ich nachgegeben."

Er sei für Schweden eine "Schachfigur" und habe auf Schwedens Druck hin das "Gesetz gebrochen", sagte der schwedische Staatsbürger. "Mein wunderbares Leben wurde ruiniert, und ich würde Schweden nie wieder vertrauen."

Während eines Urlaubs in Thailand 2015 war Gui schon einmal verschwunden - mutmaßlich wurde er damals vom chinesischen Geheimdienst verschleppt. Er tauchte dann auf dem chinesischen Festland wieder auf. Insgesamt waren damals fünf Verlagsmitarbeiter verschwunden.