Ferrari stellt sich gegen Red Bull, lehnt "Engine-Freeze" ab 2022 ab

Christian Nimmervoll
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Ferrari-CEO Louis Camilleri hat sich erstmals öffentlich gegen einen sogenannten "Engine-Freeze" bekannt und stellt sich damit gegen die Forderung von Red Bull, die Weiterentwicklung der aktuellen Power-Units in der Formel 1 schon ab Anfang 2022 einzufrieren.

"Wir sind entschieden gegen das Einfrieren des Antriebsstrangs, weil das gegen den Geist der Formel 1 geht", sagt Camilleri in einem Interview mit der 'Gazzetta dello Sport'. "Dabei muss man betonen, dass die aktuellen Regeln ohnehin ein Einfrieren vorsehen, aber erst ab 2023."

Red Bull hatte einen "Freeze" ab 2022 vorgeschlagen, weil der Energydrink-Hersteller nach dem Ausstieg von Honda (Ende 2021) keinen Motor mehr haben wird. Am liebsten würde Red Bull die bestehenden Honda-Technologie kaufen und die Motoren selbst produzieren und warten. Das geht aber nur, wenn keine Weiterentwicklung mehr erlaubt ist.

Toto Wolff hat bereits erklärt, dass Mercedes diesem Vorschlag zustimmen würde. Doch zuerst ließ FIA-Präsident Jean Todt ausrichten, dass er sich nicht erpressen lässt, und jetzt stellt auch Camilleri klar, dass Ferrari die Red-Bull-Forderung nicht durchwinken wird. Red Bull hatte ja angedroht, möglicherweise aus der Formel 1 auszusteigen, sollte es keine Zustimmung geben.

Helmut Marko stellt nun gegenüber 'auto motor und sport' klar: "Das ist keine Erpressung, sondern eine Tatsache. Wenn es keinen Entwicklungsstopp gibt, können wir das Honda-Projekt nicht durchführen. Mit diesen komplexen Triebwerken ist ohne ein Entwicklungszentrum wie Sakura eine Weiterentwicklung nicht möglich. Und auch die Kosten wären nicht tragbar."

Ein Ausstieg aus der Formel 1, unterstreicht er neuerlich, wäre "auch eine Variante. Wir haben nur die Realität aufgezeigt." Daher drängt Red Bull auf eine rasche Entscheidung in der "Engine-Freeze"-Frage. Marko trifft sich am 20. November mit der Honda-Führungsebene. Bis dahin möchte er wissen, ob ein Fortführungsdeal überhaupt möglich ist.

Ferrari argumentiert, dass man einem Einfrieren der Motorentechnik nicht zustimmen möchte, weil das möglicherweise umweltfreundliche Innovationen wie eine vorgezogene Einführung von CO2-neutralen E-Fuels verzögern könnte. Kommt ein "Freeze", ist das bis Ende 2025 unmöglich. "Aber die Formel 1", sagt Camilleri, "hat ambitionierte Nachhaltigkeitsziele."

"Schon für 2022 sieht das Reglement vor, dass der Anteil von Ethanol im Treibstoff auf zehn Prozent erhöht wird. Die FIA möchte aber so schnell wie möglich 100 Prozent erreichen, idealerweise schon im Jahr darauf. Und das bedeutet unweigerlich, dass auch einige Motorenkomponenten weiterentwickelt werden müssen", argumentiert Camilleri.

Mit Bildmaterial von Ferrari.