Feminismus ist kein T-Shirt-Druck!

Ich schlendere durch die Mall of Berlin, nach der Arbeit, kurz vor dem „ich bin gleich zuhause und kann endlich meinen BH ausziehen“–Moment. Die Feierabendschwebe. Und so schwebe ich durch die Geschäfte, wo mich überall rote SALE-Schilder anbrüllen, dass ich noch mehr für weniger Geld kaufen soll.

Bild: Dior

Was ich natürlich auch mache, ich bin Blogger, ich bin 26 und ich bin nicht stark genug, um nicht auf die ganzen Marketingstrategien reinzufallen. Die Sommerkollektionen wollen gekauft werden – und was ist schöner als ein schlichtes Outfit mit einem einfachen Printshirt? Less is more, less is less, lästig wird es erst, als ich sehe, dass jedes T-Shirt gleich aussieht: Frauenpower! Feminist! Pussy Power! GRL PWR! Girls support Girls! Girl Gang!

Ich wundere mich.
Seit wann ist es so in, zu zeigen, dass man feministisch ist?
Seit wann muss man etwas, was doch offensichtlich sein sollte, so unterstreichen und zur Schau stellen, sodass das einzige, was unterstrichen wird, die Tatsache ist, dass es eines nicht ist: Normal. Standard. Dabei sollte es genau das sein.

Wir haben das Jahr 2017 und ich lebe in einer Zeit und in einer Region, in der ich nicht für meine Rechte als Frau einstehen muss. Ich hatte das Glück, dass mein Geschlecht sich nicht negativ auf mein Leben auswirkte – und ja, sogar eher positiv als das.

Wir beschweren uns darüber, dass wir Frauen nicht auf unser Äußeres reduziert werden wollen, möchten aber gut aussehen. „Für uns“ versteht sich, nur schminken wir uns nicht, wenn wir auf der Couch sitzen, sondern abends in die Bar mit Freundinnen gehen.

„Wir wollen uns nur wohlfühlen“ und das können wir vor allem dann, wenn wir verstohlene Blicke des hübschen Kellners zugeworfen bekommen – eben weil wir uns heute besonders hübsch gemacht haben. Nur für uns, versteht sich.

Wir finden, dass wir ungerecht behandelt werden – dass Men Spreading in der Ubahn und im Bus eine Sache ist, die „gar nicht geht“ und die ausdiskutiert werden muss. Dass wir aber unsere Taschen plus Einkaufstüten demonstrativ auf den Sitz neben uns stellen, weil wir „alleine sitzen wollen“ und irgendein armer Kerl deswegen stehen muss, interessiert uns nicht.

Kurzum: Feminismus ist keine Trendbewegung. Feminismus wird nicht erst zu einem Statement, wenn wir uns dafür ausziehen müssen – oder Shirts, die sagen, dass wir Feministen sind, anziehen müssen.
Wir sind nicht das starke Geschlecht – aber eben auch nicht das schwache.
Wir dürfen uns nicht in Rollen stecken lassen, dass wir Frauen beschützt werden müssen vor Männern, aber gleichzeitig behaupten, dass wir „die Männer besiegen“.
Feminismus ist Gleichberechtigung, kein „Ich bin besser als du“.

Aus einem „Ich darf das nicht, weil ich eine Frau bin“ darf kein „Ich darf das, weil ich eine Frau bin“ werden – sondern nur ein „Ich darf das.“.

Ich würde mich gerne wieder in eine Bahn setzen, ohne mir Gedanken über Man Spreading und Einkaufstaschen machen zu müssen, ich würde gerne wieder ein Shirt kaufen, auf dem, wie früher, ganz langweilig NEW YORK AVE 7379 steht – auch wenn ich nie da war.
Das ist auf jeden Fall besser als ein Shirt anzuziehen, auf dem steht, dass ich Feminist bin – auch wenn ich nicht die Marktplatz-Marketing-Feministin bin, die es tragen muss, um es selbst zu glauben.
Ich bin eine Frau.
Aber nur weil ich das bin, bin ich nicht schwächer als andere.
Aber eben auch nicht stärker.