Feminismus-Ikone: Darum ist die Botschaft von Kate Millett auch heute noch so relevant

Kate Millett schuf in den Siebzigern ein wegweisendes Werk für den Feminismus. (Bild: ddp Images)

Am 6. September starb Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Kate Millett. Ihre feministische Botschaft darf jedoch nicht in Vergessenheit geraten.

Es war eines dieser Bücher, die alles verändern: „Sexual Politics“ (dt. Titel: „Sexus und Herrschaft“) – ursprünglich als Dissertation geschrieben, doch schließlich zu einem Grundpfeiler der Zweiten Welle des Feminismus gewachsen. Kate Millett schrieb die theoretische Abhandlung 1970, im Alter von 36 Jahren, voller Wut und Kompromisslosigkeit. 47 Jahre später ist die Künstlerin und Feministin nun am 6. September kurz vor ihrem 83. Geburtstag in Paris gestorben.

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Die damals revolutionäre und radikale Idee der Amerikanerin: Jede Beziehung ist eine politische, das Geschlechterverhältnis ist ein Herrschaftsverhältnis, durch alle sozialen Schichten und Systeme hinweg sind Frauen die Unterlegenen des Patriarchats. Ihre Literaturkritik an den sexistischen Schriften D.H. Lawrences, Henry Millers und Norman Mailers spannte sie auf zu einer umfassenden Sozialkritik.

Kate Millett (l.) 1970 mit Frauenrechtlerin Gloria Steinem. (Bild: AP Photo)

Mit ihrer Forderung nach einem Kampf gegen das Patriarchat und einer sexuellen Revolution schuf Millett zusammen mit Simone de Beauvoirs „Das andere Geschlecht“ und Betty Friedans „The Feminine Mystique“ die intellektuelle Grundlage für die Zweite Welle der Frauenbewegung. Hier ging es nicht mehr nur um Gleichheit vor dem Gesetz, sondern um soziale Befreiung und körperliche Selbstbestimmung rund um Themen wie Verhütung, Abtreibung und sexuelle Gewalt.

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Besonders fortschrittlich für ihre Zeit waren Kate Milletts sexualpolitische Ansichten – allein der Begriff „Sexualpolitik“ steht unzertrennlich im Zusammenhang mit ihrem Namen. Neben der Ablehnung der monogamen Ehe setzte sich die Schriftstellerin, die sich selbst nach 20 Jahren Ehe mit dem japanischen Künstler Fumio Yoshimura als lesbisch outete, für die Akzeptanz von Homosexualität ein.

Zwar ist die heutige Dritte Feminismus-Welle mit dem Streben nach der Dekonstruktion von Gender bereits einen Schritt weiter, Milletts sozialkritische Abhandlungen sind jedoch bis heute eine wichtige Grundlage für das Verständnis und den Diskurs des geschlechtsbezogenen Machtgefälles – und ihre scharfen Beobachtungen in vielen Lebensbereichen bis heute nicht veraltet.

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