Felix Magath: "Ende bei Bayern hat mich überhaupt nicht berührt"

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Nach der 0:3-Niederlage des FC Bayern München bei Paris Saint-Germain im zweiten Gruppenspiel der Champions League zog der Rekordmeister am Donnerstag die Reißleine und trennte sich von Cheftrainer Carlo Ancelotti.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge begründete die Entscheidung damit, dass die Leistungen der Mannschaft seit Saisonbeginn die Erwartungen nicht erfüllen konnten. "Wir mussten hier eine professionelle Entscheidung im Sinne des FC Bayern treffen", wird Rummenigge in der offiziellen Presseerklärung zitiert.

Stimmungsmache wegen Manuel Neuer

Einer, der Ancelottis Schicksal vor vielen Jahren geteilt hat, ist Felix Magath. Der ehemalige Mittelfeldspieler war von Juli 2004 bis Januar 2007 Cheftrainer der Bayern und holte in dieser Phase erstmals in der Vereinsgeschichte zwei Meisterschaften und Pokalsiege hintereinander. In einem Interview mit dem am Samstag erscheinenden CICERO -Magazin gewährte der 64-Jährige Einblicke in seine Gefühlswelt, als er den Rekordmeister nach zweieinhalb erfolgreichen Jahren verlassen musste.

"Das Ende beim FC Bayern hat mich überhaupt nicht berührt. Ich bin nach München mit einem Dreijahresvertrag gegangen und im festen Bewusstsein, dass jedes Jahr, das ich überlebe, ein Gewinn ist. Schlechte Ergebnisse kann man immer leicht dem Trainer in die Schuhe schieben", so Magath. Mit sich selbst sei er trotz der Differenzen mit den Bayern-Verantwortlichen völlig im Reinen gewesen.

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Ähnliche Erfahrungen machte der 64-Jährige auch bei seinen Stationen in Wolfsburg und auf Schalke. Während seiner zweiten Amtszeit beim VfL warf man ihm vor, zu viele Spieler eingesetzt zu haben, obwohl er nahezu eine komplett neue Mannschaft aufbauen musste. Jedem eine echte Chance zu geben, gehöre für Magath aber zum professionellen Arbeiten.

Manuel Neuer Schalke 04 Inter Mailand Champions League 13042011

Nicht weniger turbulent lief es bei den Königsblauen. "In meiner zweiten Schalker Spielzeit wurde von Anfang an Stimmung gegen mich gemacht. Diese Monate haben mich Jahre gekostet. Vielleicht – ich kann da nur spekulieren – war der Kern all meiner Probleme, dass ich unseren Torwart Manuel Neuer nicht verkaufen wollte." Nach Magaths Entlassung wurde der heutige Weltmeister für 30 Millionen Euro Ablöse an den FC Bayern abgegeben.

Magath lässt HSV-Rückkehr offen

Nur zum Hamburger SV habe der gebürtige Aschaffenburger noch eine emotionale Bindung, alle anderen Vereine seien ihm egal. Als Spieler prägte er bei den Rothosen die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte und gewann 1983 in Athen den Europapokal der Landesmeister. Eine Rückkehr nach Hamburg schließt er nicht aus: "Ich bin ein Mensch mit viel Fantasie." Vor drei Jahren verhandelte Magath mit den damaligen Verantwortlichen über ein Engagement als Trainer und Manager. Zu einem Abschluss führten die Gespräche allerdings nicht.

Seit 2016 arbeitet Magath nun bei Shandong Luneng im Jinan und steht in der chinesischen Super League derzeit auf dem fünften Tabellenplatz, nachdem er den Verein im vergangenen Jahr vor dem Abstieg rettete. Auch in Fernost hat er nichts von seinem Image als Disziplin-Fanatiker eingebüßt. In der Vorbereitung ließ er seine Mannschaft den über 1500 Meter hohen Taishan-Berg mit 6293 Stufen zum Gipfel zu Fuß besteigen.

"Wer seinen Beruf ernst nimmt und das Maximum erreichen will, darf es sich nicht bequem machen. Ich habe immer großen Wert auf Fitness, Disziplin und Ordnung gelegt. Es geht nicht darum, Spieler zu quälen, sondern sie besser zu machen." Offenbar mit Erfolg: Shandong Luneng hat in dieser Saison gute Chancen, die Qualifikation zur AFC Champions League zu erreichen.