Felipe Massa: Der heimliche Sieger von Brasilien

Felipe Massa stellte beim Grand Prix von Brasilien 2017 die Uhren noch einmal zurück: Der Williams-Pilot trumpfte auf dem Autodromo Jose Carlos Pace in seinem vorletzten Formel-1-Rennen auf wie in alten Zeiten und verabschiedete sich so sehr gebührlich von seinen brasilianischen Fans.

Der 36-Jährige, der in Interlagos 2006 und 2008 seinen Heimrennen gewinnen konnte, legte einen Super-Start hin und machte einige Plätze gut, ehe er beim Re-Start auch noch Fernando Alonso überholte.

Am Ende sprang hinter den Top-Piloten Sebastian Vettel, Valtteri Bottas, Kimi Räikkönen, Lewis Hamilton, Max Verstappen und Daniel Ricciardo ein toller siebter Platz heraus. Sein zweitbestes Saisonergebnis einer eher durchschnittlichen F1-Saison. Doch aus dem Williams war nicht mehr herauszuholen.

Die Tops und Flops aus Brasilien

Ins Ziel rettete Massa einen winzig kleinen Vorsprung von 0,5 Sekunden auf McLaren-Pilot Alonso, der den ganzen Grand Prix über viel Druck auf den Brasilianer ausgeübt hatte. Zur Freude vieler Fans behauptete Massa aber seinen siebten Rang.

“Ich habe von Anfang bis Ende mein Rennen perfekt umgesetzt und dabei einen tollen Fight gegen Alonso abgeliefert, gegen den ich in der vergangenen Jahren harte Duelle gefahren bin”, sagte Massa nach dem Rennen sichtlich gerührt. “Ich bin sehr stolz vor ihm ins Ziel gekommen zu sein – erst recht vor meinem Heimpublikum.”

2016 bittere Tränen, 2017 Tränen der Freude

In der vergangenen Saison war das noch anders: Bei seinem eigentlichen Abschiedsrennen 2016 schied der 36-Jährige nach der Hälfte des Rennens aus und lief tränenüberströmt zur Boxengasse. So ein Karriereende hatte dem sympathischen Vize-Weltmeister von 2008 keiner gewünscht.

Und so kam es, dass er nach Bottas-Wechsel zu Mercedes 2017 doch nochmal bei Williams ins Cockpit  stieg. “Letztes Jahr wurde ich von den ganzen Emotionen übermannt. Vor allem aber fehlte mir ein ordentliches Ergebnis zum Abschied”, so Massa. “Heute und jetzt aber kann ich mich erhobenen Hauptes verabschieden und meine Karriere beenden.”

“Heute war alles perfekt: Beim Start fuhr ich von neun auf fünf vor. Und während dem Re-Start wusste ich, dass ich nur hier die Chance haben werde, Alonso zu überholen. Denn er hatte die bessere Pace.”

“Ein gefühlter Sieg” für Massa

Letzen Ende konnte sich Massa gegen Alonso behaupten, auch wenn er wusste, dass das sehr schwer werden würde. “Ihn das ganze Rennen über hinter mir zu halten, war kein leichtes Unterfangen. Doch ich habe es geschafft”, so Massa.

“Ich denke, der siebte Platz war für mich wie ein gefühlter Sieg. Ich bin sehr stolz auf meine Leistung heute. In meiner langen Karriere habe ich viel erlebt und diese Ereignisse und Emotionen gehen mir gerade alle durch den Kopf. Aber: Das heutige Rennen werde ich nie vergessen.”

In der Fahrerwertung sprang der Brasilianer dank der sechs WM-Punkte aus Brasilien noch an seinem Teamkollegen Lance Stroll vorbei: Der Kanadier hat als Elfter 40 Punkte auf dem Konto, Massa deren 42.

Sohnemann ist stolz auf Papa

Zum Abschluss seiner Karriere – 15 Saisons als Stammpilot, 2 als Testfahrer – kann der Williams-Pilot es in Abu Dhabi ruhiger angehen lassen, auch wenn er in der Gesamtwertung seinen zehnten Platz vor Stroll bestimmt verteidigen will.

Die letzte große Last fiel ihm aber beim Heimrennen in Brasilien von den Schultern. Das konnten alle sehen. Und nach den Worten seines Sohnes Felipinho wird er noch befreiter fahren können. “Papa, ich bin so stolz auf dich und ich werde dir immer folgen, egal, wohin dein Weg nun führt. Ich liebe dich über alles. Und übrigens: Du hast echt einen Super-Start hingelegt.”

In Abu Dhabi wird sich ein Großer der Formel 1 verabschieden: In 266 Grand Prix fuhr Massa elf Siege ein und stand 16 Mal auf der Pole. In seiner erfolgreichsten Zeit von 2006 – 2013 stand er bei Ferrari unter Vertrag und war Teamkollege von Michael Schumacher, der von 2000 bis 2004 fünfmal die Weltmeisterschaft gewonnen hatte.

Massas schlimmste Niederlage

Vielen Massa-Fans wird aber die Saison 2008 in Erinnerung geblieben sein: Der Brasilianer wurde damals “nur” Vize-Weltmeister. Auch wenn es sein größter Erfolg war, fühlte es sich damals wie eine große Niederlage an.

Nach einem 7. Platz in Japan und einem 2. Platz in China ging Massa mit sieben Punkten Rückstand auf den WM-Führenden Hamilton ins letzte Saisonrennen in Brasilien. Massa gewann seinen Heim-GP, wodurch der Brite zum Titelgewinn mindestens Fünfter werden musste, da bei Punktgleichheit der Brasilianer aufgrund der höheren Sieganzahl vorne gelegen hätte. Und dann geschah Unfassbares!

In der vorletzten Kurve des Rennens fuhr Hamilton tatsächlich noch auf den fünften Platz vor und ins Ziel, sodass er mit einem Punkt Vorsprung auf Massa Weltmeister wurde. Die brasilianischen Fans auf der Tribüne und das Ferrari-Team hatten zeitgleich bereits den vermeintlichen WM-Titel Massas gefeiert. Zu früh, denn Weltmeister 2008 wurde Hamilton.

Trotz dieser bitteren Niederlage wird Massa als ein Großer von der Formel-1-Bühne gehen. Nicht von ungefähr standen fast alle Fahrer in der Boxengasse von Sao Paulo Spalier, als Massa zur Tribüne ging, um sich ein allerletztes Mal von seinen Fans zu verabschieden. Wir werden dich vermissen. Ciao Felipe!