Feldherren, Adjektive, Eigenheiten: Nach diesen Kriterien werden Staaten benannt

Wie viele Staaten es auf der Welt gibt ist Schätzungssache. Die USA akzeptieren 195. (Bild: ddp images/Yann Poirier)

Wie werden eigentlich Staaten benannt? Über diese Frage klärt das Magazin „Quartz“ in einem Artikel auf – und kommt zu überraschenden Ergebnissen.

Dafür zog das Magazin das „Oxford Concise Dictionary of World Place-Names“ zurate. Der Großteil aller Staaten und Länder wird nach einer von vier Kategorien benannt, argumentiert das Magazin:

1. Einer direkten Beschreibung des Landes
2. Einem Merkmal des Landes
3. Dem Namen eines Stammes
4. Einer wichtigen Person (Großteils einem Mann)

Ein Drittel aller Länder dieser Welt sind nach einem Stamm oder einer Bevölkerungsgruppe benannt. So stammt der Name Frankreich von den Franken, einem germanischen Großstamm. Südkorea wurde nach den Han-Stämmen des 2. Jahrhunderts benannt: Der einheimische Eigenname Daehan Minguk bedeutet soviel wie „Große Han“. Auch Vietnam bekam so seinen Namen – und heißt übersetzt Viet-Leute des Südens.

Andere Länder wurden nach Eigenschaftswörtern benannt, die mit dem jeweiligen Land assoziiert werden. So bedeutet Burkina Faso „Land der ehrlichen Menschen“. Die Guinea-Länder fußen möglicherweise auf dem Tuareg-Wort „aginaw“, auf Deutsch mit „schwarze Menschen“ übersetzbar. Papua Neuguinea beschreibt die Bevölkerung des Landes: Papua steht für kraushaarig, Guinea eben für schwarz.

Andere Namen beschreiben die Länder direkt. Island heißt deswegen so, weil es zu großen Teilen aus Schnee und Eis (Ís) besteht. Costa Rica bedeutet „Reiche Küste“ und rührt daher, dass die Ureinwohner der Insel reich an Goldschätzen gewesen sein sollen. Honduras wurde von den Spaniern benannt und bedeutet übersetzt ungefähr soviel wie „tiefes Wasser“ – Barbados wurde wegen der an Bärte erinnernden, langen Wurzeln der Feigenbäume „die Bärtigen“ genannt.

Auch konkrete Ortsangaben stecken in Ländernamen. So heißt Japan in der Landessprache Nippon: Das Land der aufgehenden Sonne. Eine Dopplung ist der Name Ost-Timor – denn Timor bedeutet auf malaysisch bereits Osten. Nicht weniger offensichtlich: Australien und Norwegen. „Australis“ ist das lateinische Wort für „Süden“, „Norway“ – Norwegen auf Englisch – bedeutet „nördlicher Weg“.

Auch nach historischen Persönlichkeiten – wie Christoph Kolumbus – sind Länder benannt. (Bild. AP Photo/Bebeto Matthews)

Auch wichtige historische Persönlichkeiten können als Basis der Länderbenennung dienen. Ein offensichtliches Beispiel ist Christoph Kolumbus, nach dem Kolumbien benannt ist. Der spanische König Philip II. ist verantwortlich für den Namen der Philippinen, der venezolanische Revolutionär Simón Bolívar für Bolivien. Namenspate von El Salvador (auf Deutsch: „Der Retter“) ist Jesus Christus.

Es bleibt aber auch ein Fragezeichen: 20 Länder besitzen Namen, deren Ursprung nicht eindeutig geklärt ist oder gänzlich mysteriös bleibt. Darunter: Malta (hier schwanken die möglichen Bedeutungen zwischen „Zuflucht“ und „Bienen“) sowie Nepal (möglicherweise „Beginn einer neuen Ära“, „zentrales Land“, „Heimat der Wolle“ oder „Heiliger Ort“). Die Namen von Ländern wie Syrien und Palau bleiben indes ein großes Fragezeichen.