Feierlichkeiten in Nordkorea nach jüngstem Raketentest

Nordkorea bejubelt Raketentest

In Nordkorea haben den Staatsmedien zufolge tausende Menschen den jüngsten Raketentest des Landes gefeiert. Wie am Samstag auf Fotos in der Parteizeitung "Rodong Sinmun" zu sehen war, versammelten sich tausende Soldaten und Zivilisten auf dem Kim-Il-Sung-Platz in der Hauptstadt Pjöngjang, der mit riesigen Porträts des ehemaligen Machthabers dekoriert war.

"Wir feiern den erfolgreichen Test einer Hwasong-15, welcher der ganzen Welt Nordkoreas Macht und Großartigkeit gezeigt hat", war demnach auf einem Spruchband bei der Veranstaltung vom Freitag zu lesen.

Nordkorea hatte am Mittwoch eine Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-15 getestet. Das gesamte US-Festland liege nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen, teilte Pjöngjang anschließend mit. Kim Jong Un, der Enkelsohn von Kim Il Sung, erklärte, der Test habe seinem Land geholfen, das Ziel einer Atommacht zu erreichen.

Kim selbst blieb den Propaganda-Feierlichkeiten in Pjöngjang fern. Ranghohe Vertreter aus Militär, Partei und Regierung waren aber vertreten. Der Vize-Vorsitzende des Zentralkomitees der Partei der Arbeit, Pak Kwang Ho, sagte in einer Ansprache, die USA seien vom Erstarken von Nordkoreas nuklearer Kraft "erschüttert" worden und könnten versuchen, provokative Schritte zu unternehmen. Er wiederholte Kims Warnung, dass Nordkorea mit den "härtesten Gegenmaßnahmen der Geschichte" reagieren werde.

Unterdessen meldete die südkoreanische Wetterbehörde, am Samstag habe sich ein natürliches Erdbeben der Stärke 2,5 in der Nähe des nordkoreanischen Atomtestgeländes Punggye Ri im Nordosten des Landes ereignet. Das Beben sei das Vierte dieser Art seit Pjöngjangs letztem und bisher stärkstem Atomwaffentest am 3. September, hieß es auf der Website der Behörde.

Das Ausland war damals durch ein künstliches Erdbeben der Stärke 6,3 auf den Test aufmerksam geworden. Pjöngjang meldete dann die "erfolgreiche" Zündung einer Wasserstoffbombe, die sich auch als Raketensprengkopf nutzen lasse. Nordkorea hat nach eigenen Angaben seit 2006 sechs Atomwaffentests vorgenommen.

Punggye Ri ist ein weitläufiges Areal mit zahlreichen Tunneln und Testanlagen in den Bergen der Provinz Nord-Hamgyong. Laut der renommierten Website "38 North" leidet das Gestein nach den unterirdischen Atomtests unter dem sogenannten "Tired Mountain Syndrome" (Müder Berg Syndrom). Gemeint ist damit, dass das Gestein stark zersplittert und zunehmend durchlässig wird.

Pjöngjangs Atomwaffen- und Raketentests sorgen international für große Sorge. US-Präsident Donald Trump kündigte neue "bedeutende" Strafmaßnahmen gegen das Land an.

Die US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, warnte Nordkorea in einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, "im Falle eines Kriegs" würde die Führung in Pjöngjang "vollkommen zerstört". Als Reaktion auf Nordkoreas sechsten Atomwaffentest hatte der UN-Sicherheitsrat erst im September ein achtes Sanktionspaket gegen Pjöngjang beschlossen.