"Er fehlt einfach überall": Wie es Niki Laudas Familie heute geht

Juliane Ziegengeist

Vor einem Jahr verlor der Rennsport mit Niki Lauda einen seiner größten Kämpfer. Am 20. Mai 2019 verstarb der dreifache Formel-1-Weltmeister an den Folgen einer Lungenentzündung. Nicht nur im Paddock wird der Österreicher mit der roten Kappe schmerzlich vermisst. Am größten wiegt der Verlust für die Familie.

"Man kann gar nicht richtig in Worte fassen, wo Niki überall fehlt, er fehlt uns einfach überall", beschreibt Laudas Witwe Birgit ihre Gefühlslage in einem ihrer sehr seltenen Interviews mit dem Hörfunksender 'Ö3'. "Er fehlt jeden Tag 24 Stunden. Aber langsam versuchen wir aus dieser Wolke der Trauer herauszufinden."

2008 heirateten sie und Lauda nach mehreren Jahren Beziehung. 2009 kamen die Zwillinge Max und Mia zur Welt. Sie sind Birgit Laudas größter Halt: "Zu sehen, wie sie aufwachsen mit diesem wunderbaren Vorbild Vater, das ist etwas ganz Besonderes. Die zwei schauen ihm so ähnlich und haben auch so viele Eigenschaften von ihm."

Laudas Familie holte sich professionelle Hilfe

Ihre Verbundenheit sei durch den Schicksalsschlag nur noch verstärkt worden, sagt die 41-Jährige und betont, dass dieses Band auch ihren toten Mann einschließe: "Für uns ist er eigentlich immer da und ich merke, wie stark so eine Beziehung und Bindung nach dem Tod mit einem Menschen, den man so geliebt hat, noch bestehen kann."

In der Trauerarbeit hat Birgit Lauda gelernt, die Erinnerung an ihren Mann aktiv in den Alltag zu integrieren - auch für die Kinder. Dazu holte sich die Familie professionelle Hilfe und erkennt Fortschritte. "Es gelingt mittlerweile auch sehr positive Momente, die mit viel Glück und Freude auch verbunden sind, zu erleben", so die Witwe.

Wie eng das innerfamiliäre Verhältnis war, erkannten auch Außenstehende. So erzählt Helmut Marko, Red-Bull-Berater und langjähriger Freund von Lauda, bei 'Oe24.tv', wie sich Niki verändert hatte, seit er mit Birgit zusammen war: "Er wurde vom beinharten Egoisten zu einem großzügigen und etwas warmherzigeren Menschen."

Marko: Niki hat sich durch Birgit sehr verändert

Das habe sich vor allem im Familienleben mit den Kindern gezeigt. "Nach einem Grand Prix hat er alles daran gesetzt, dass er rechtzeitig nach Wien kommt, bevor die Kinder einschlafen", verrät Marko. "Es war unglaublich zu sehen, wie er das Aufwachsen der Kinder und auch das Zusammenleben mit der Birgit genossen hat."

Das sei früher, als Lauda noch aktiv Rennen fuhr, "bei weitem nicht der Fall gewesen", weiß sein Formel-1-Kollege. Umso trauriger ist, dass er seine Kinder nicht mehr aufwachsen sehen kann. "Natürlich wäre es viel schöner gewesen, wenn Niki noch 20 Jahre gelebt hätte", sagt seine Witwe, die die Kinder nun allein großzieht.

"Aber man muss versuchen, auch damit seinen Frieden zu machen. Er hätte mit Sicherheit gewollt, dass wir in eine glückliche Zukunft schauen." Am ersten Todestag besuchte Birgit Lauda das Grab ihres Mannes am Heiligenstädter Friedhof gemeinsam mit den Kindern. Sie seien "ein wirklich gutes Team" gewesen, sagt sie.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.