Aus Fehlern sollte man eigentlich lernen: Doch an der Börse wird man schnell zum Wiederholungstäter!

Andre Kulpa, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.
Börse

Für Investoren gilt, glaube ich, dasselbe wie für Autofahrer. Jeder hält sich irgendwie selbst für den Besten. Aber ich denke, wir wissen wohl alle, dass dem häufig nicht so ist. Auch wenn man es sich gerade als Investor nur sehr ungern eingestehen möchte. Doch irgendwie gibt es an jeder Ecke Geschichten über Anleger, die angeblich wesentlich erfolgreicher sind als man selbst.

Aber gibt es sie tatsächlich, diese selbst ernannten Top-Privatinvestoren? Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Obwohl es augenscheinlich einige Anleger gibt, die eventuell etwas anders und eventuell auch erfolgreicher an der Börse vorgehen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass sie einmal begangene Fehler beim Investieren später nicht erneut machen.

Damit sind sie meiner Meinung nach aber in der Unterzahl. Denn ich glaube, die meisten Investoren kann man mit ruhigem Gewissen als Wiederholungstäter bezeichnen. Und auch mich selbst muss ich leider mit in diese Kategorie einordnen. Aber schauen wir doch einfach einmal kurz auf zwei solcher Fehler, die immer wieder begangen werden.

Vermeintlich günstiger Einstieg

Dies ist eine Geschichte, die bestimmt jedem von uns schon einmal passiert ist. Auf der Suche nach einer günstigen Einstiegsmöglichkeit stößt man auf eine interessante Aktie, die sich in den letzten Wochen stark verbilligt hat. Die Freude ist riesengroß und nachdem es noch ein Stück weiter mit dem Titel abwärtsgeht, greift man beherzt zu. Natürlich mit dem guten Gefühl, diesmal alles richtig gemacht und nicht etwa wieder bei viel zu hohen Kursen gekauft zu haben.

Doch nicht selten kommt es vor, dass es mit dem Kurs der gerade erstandenen Aktie weiter massiv abwärtsgeht. Dies ist natürlich sehr ärgerlich. Aber es zeigt uns mit aller Deutlichkeit, dass es nun mal an der Börse keine noch so günstige Aktie gibt, die sich nicht noch einmal im Kurs halbieren kann. Und du kannst mir glauben, auch ich kann ein Lied davon singen, wie sich so etwas anfühlt. Aber vermeintlich günstige Kurse sind eben einfach zu verlockend, als das man sie ignorieren könnte.

Zu früh verkauft

Hier geht es jetzt genau in die andere Richtung. Und zwar um Aktien im Depot, die sich sehr gut entwickelt haben. Doch gut entwickelt ist ein durchaus dehnbarer Begriff. Aber für viele Anleger dürfte ein Kurszuwachs von 100 % absolut dazuzählen. Und so ist dies auch so eine Art magische Marke, bei der viele Investoren meinen, jetzt tätig werden zu müssen. Denn schließlich hat man ja nun sein investiertes Kapital glatt verdoppelt.

Doch wer glaubt, solch eine Kursverdopplung stellt an der Börse schon eine Glanzleistung dar, der sollte an dieser Stelle noch einmal in sich gehen. Und möglichst nicht den Fehler begehen, viel zu früh zu verkaufen. Denn gerade über lange Zeiträume können Aktien ihre wahre Stärke zeigen. So gibt es nicht wenige Aktien, die über 20 Jahre hinweg eine Kurssteigerung von 1.000 % oder mehr gezeigt haben.

Da wäre es doch wirklich ärgerlich, wenn man schon mit 100 % Gewinn wieder verkauft hätte. Aber genau dies passiert wahrscheinlich häufiger, als man denkt. Doch entgangene Gewinne können unter Umständen noch schmerzlicher sein als Verluste, die man erleidet.

Fazit

Dies waren jetzt nur zwei Beispiele von typischen Fehlern, die immer wieder gerne begangen werden. Aber als Investor sollte man in der Lage sein, aus diesen Situationen zu lernen bzw. seine Schlüsse zu ziehen. Und in unseren beiden Fällen bedeutet dies weder zu früh einzusteigen und vor allen Dingen nicht gut laufende Aktien viel zu früh wieder zu verkaufen.

Der Artikel Aus Fehlern sollte man eigentlich lernen: Doch an der Börse wird man schnell zum Wiederholungstäter! ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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