Fed-Mitglied gibt wohl diese Woche Rückzug bekannt


Bill Dudley, der Chef der Fed New York, wird im Frühjahr oder Sommer kommenden Jahres sein Amt aufgeben. Er hat die Position im Januar 2009 im Alter von 55 Jahren bekommen, seine reguläre Zeit würde im Januar 2019 enden. Die Nachricht, die zuerst der Sender CNBC herausgegeben hat, wird voraussichtlich in den nächsten Tagen offiziell bestätigt. Privat hatte Dudley bereits zuvor einen etwas früheren Rückzug angedeutet. Es gibt daher bei seiner Entscheidung keinen Zusammenhang mit der kürzlich erfolgten Auswahl von Jerome Powell als künftigem Chef der US-Notenbank (Fed).

Auf der anderen Seite verliert Powell aber so vorzeitig einen sehr erfahrenen Notenbanker, der ihn nach der Übernahme seines Amtes im Februar unterstützen könnte. Die Fed New York ist die wichtigste der zwölf regionalen Notenbanken der USA, die zusammen mit der Zentrale in Washington das gesamte Federal-Reserve-System bilden, das meist einfach als Fed oder als Notenbank bezeichnet wird. Der Präsident der Fed New York ist ständig stimmberechtigtes Mitglied im geldpolitischen Ausschuss und dessen stellvertretender Vorsitzender, während bei den Präsidenten der anderen regionalen Notenbanken die Stimmrechte rotieren, so dass jeweils fünf von ihnen zusammen mit den - bei voller Besetzung - sieben Fed-Gouverneuren der Zentrale die geldpolitischen Entscheidungen treffen.


Hinzu kommt: Die Fed New York setzt die Entscheidungen der Notenbank am Kapitalmarkt um. Bill Dudley hat in der Zeit der Finanzkrise, 2008 und 2009, den so genannten Desk der Fed New York geleitet, der für die Transaktionen am Markt zuständig ist. Fed-Chef war damals Ben Bernanke, Präsident in New York Tim Geithner. Wer die Langfassung der Protokolle aus der damaligen Zeit liest, kann kaum Dudleys damals herausragende Rolle übersehen. In der Regel berichtete er in den Sitzungen über die Situation an den Märkten und machte zugleich Vorschläge, wie die Notenbank eingreifen sollte, um die Situation zu stabilisieren und einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Nach einer intensiven Diskussion wurden dann sehr häufig mehr oder minder unverändert diese Vorschläge angenommen.

Dudley gilt als Vertrauter der scheidenden Fed-Chefin Janet Yellen. Er hat ihren vorsichtigen geldpolitischen Kurs unterstützt, aber auch die Zinserhöhungen der letzten Monate. Er hat früher als Volkswirt bei Goldman Sachs gearbeitet, aber in seinem heutigen Amt mitunter deutlich die ethischen Mängel der Finanzbranche kritisiert. Persönlich ist er ein humorvoller, praktisch denkender Manager, der nicht dazu neigt, seine eigene Wichtigkeit zu überschätzen - wahrscheinlich auch, weil er das nicht nötig hat