Wie die Fed mit ihrer Rolle in der Finanzkrise kämpfte


Notenbanker sind bekannt für ihren ruhigen, besonnenen Charakter. Hinter den Kulissen jedoch wird ab und an auch heftig diskutiert und auch in turbulenten Zeiten regelmäßig gelacht. Das zeigen die Protokolle der Federal Reserve aus dem Jahr 2012, die am Freitag veröffentlicht wurden.

Sollen sie oder sollen sie nicht die Wirtschaft weiter unterstützen – das war die Frage, die die US-Notenbank am meisten beschäftigte. Vier Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise war die größte Volkswirtschaft der Welt zwar nicht mehr in akuter Gefahr, doch auch noch nicht wieder stabil. Die Arbeitslosenquote lag bei gut acht Prozent und der Häusermarkt, Auslöser der Finanzkrise, war immer noch im Krisenmodus. Viele Hypotheken waren „unter Wasser“ – ein Ausdruck dafür, dass die Hypothek auf ein Haus größer war als der eigentliche Wert des Hauses, der in der Krise massiv gesunken war.

Die US-Notenbank, damals unter Präsident Ben Bernanke, begann das Jahr mit einer außergewöhnlichen Warnung an den Kongress. Die Bedingungen für Häuserkredite seien nach der Krise so streng, schrieben die obersten Notenbanker des Landes in einer Studie, dass sich quasi kaum jemand mehr ein Haus kaufen könne.


Die Fed entschloss sich im September schließlich, einzugreifen. In einer dritten Runde quantitativer Lockerung kündigte Bernanke nach zwei Tagen intensiver Diskussionen an, jeden Monat hypothekenbesicherte Anleihen im Wert von 40 Milliarden Dollar zu kaufen. So sollten die Zinssätze am Häusermarkt gedrückt werden, um Verbraucher zum Kauf zu animieren.

Es war ein gewagter Schritt. „Meine Sorge ist, dass wir für einen sehr geringen Nutzen die zukünftigen Risiken vergrößern“, warnte der damalige Fed-Gouverneur Jay Powell seine Kollegen. Powell, ein früherer Private-Equity-Manager, wurde erst im Mai 2012 in das Führungsgremium der Notenbank berufen. Seine Einschätzung ist besonders interessant, weil er im Februar die derzeitige Fed-Chefin Janet Yellen ablösen wird.


Auch in schwierigen Zeiten wird gelacht

Selbst Bernanke war damals nicht sonderlich überzeugt, dass die Aufkaufprogramme wirken würden. Sie seien „ein Schuss ins Blaue“, räumte er ein. Doch er wollte nichts unversucht lassen und warb dafür, nach außen geschlossen aufzutreten. Powell ließ sich schließlich umstimmen – allerdings „mit wenig Enthusiasmus. Ich fühle mich etwas unwohl mit dem Weg, den wir einschlagen“, gab er zu bedenken.

Der künftige Notenbank-Chef sorgte sich vor allem darum, die Anleihekäufe eines Tages wieder zurückzufahren, ohne Tumult an den Märkten auszulösen. Ironischerweise ist dies nun eine Aufgabe, die er weiterführen muss. Die Fed hatte im Oktober vergangenen Jahres damit begonnen, ihre Bilanzsumme langsam abzubauen, die seit der Krise auf die Rekordsumme von 4,5 Billionen Dollar angestiegen war.

Die wörtlichen Protokolle der Fed-Sitzungen werden grundsätzlich mit einer Verzögerung von fünf Jahren veröffentlicht. Die Notenbanker sollen relativ frei von politischem Druck arbeiten. Die sogenannten „Minutes“, die drei Wochen nach einer Fed-Sitzung veröffentlicht werden, fassen nur die wesentlichen Positionen der Notenbanker zusammen, ohne direkt zu zitieren oder bekanntzugeben, wer welche Meinung vertrat.


Auch in schwierigen Zeiten wird in der Fed jedoch auch gelacht. In den Protokollen wird Gelächter der Notenbanker mit dem Vermerk „Laughter“ festgehalten. Bernanke, der ehemalige Professor der Elite-Universität Princeton, begrüßte bei der Sitzung am 19. Juni die neuen Gouverneure Powell und Jeremy Stein mit einem freundlichen Seitenhieb. „Wir freuen uns, mit den neuen Kollegen zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen“, sagte Bernanke. „ Ich bin optimistisch, weil beide ihren Bachelor in Princeton gemacht haben.“

Die damalige Gouverneurin Elizabeth Duke amüsierte ihre Kollegen bei der letzten Sitzung des Jahres im Dezember mit einer Analogie aus der Tragikomödie „Ist das Leben nicht schön?“. Darin „heißt es immer wieder: Jedes Mal, wenn eine Glocke läutet, bekommt ein Engel seine Flügel. Ich mache hier jetzt einen etwas kitschigen Vergleich. Ich glaube, dass jedes Mal, wenn die Häuserpreise etwas steigen, ein Haushalt nicht mehr mit seiner Hypothek unter Wasser ist und seine finanziellen Flügel zurückbekommt.“