Fechten: Debütant Schmidt holt WM-Bronze und erlöst deutsche Fechter

Mit einem Überraschungscoup hat Degenspezialist Richard Schmidt die deutschen Fechter erlöst und bei der Heim-WM in Leipzig die erste deutsche Medaille gewonnen. Der Weltranglisten-135. verlor zwar das Halbfinale gegen den ehemaligen Weltmeister Paolo Pizzo aus Italien mit 10:15, sorgte mit seinem Bronze-Coup aber dennoch im deutschen Lager für großen Jubel.

Mit einem Überraschungscoup hat Degenspezialist Richard Schmidt die deutschen Fechter erlöst und bei der Heim-WM in Leipzig die erste deutsche Medaille gewonnen. Der Weltranglisten-135. verlor zwar das Halbfinale gegen den ehemaligen Weltmeister Paolo Pizzo aus Italien mit 10:15, sorgte mit seinem Bronze-Coup aber dennoch im deutschen Lager für großen Jubel.

Für den zuletzt von vielen Krisen geplagten Verband war die erste WM-Einzelmedaille in der einstigen deutschen Paradewaffe seit 2001 eine riesige Erleichterung. Das Horrorszenario einer Heim-WM ohne Edelmetall - schon am zweiten Tag war es abgewendet.

"Es ist auf alle Fälle überraschend", sagte Schmidt: "Aber prinzipiell traue ich mir sowas immer zu. Mit den Zuschauern im Rücken lief es dann richtig gut. Ich hatte auf jeden Fall keinen Druck. Es war ein Sahnetag."

Säbelfechterin Anna Limbach (Dormagen) legte am Samstag einen ebenso beherzten Auftritt wie der Offenbacher hin, verpasste aber weiteres Edelmetall nur um einen Sieg. Die EM-Fünfte, die am Samstag 28 Jahre alt wurde, verlor im Viertelfinale 11:15 gegen die Italienerin Irene Vecchi.

Wenige Minuten danach durfte die deutsche Delegation aber Jubeln. Mit 15:13 besiegte der WM-Debütant Schmidt in seinem Viertelfinale den Japaner Satoru Uyama - Bronze war dem 25-Jährigen damit nicht mehr zu nehmen. Verbandspräsidentin Claudia Bokel jubelte mit ausgestreckten Armen, klatschte in die Hände - auch der ehemaligen Degen-Weltmeisterin war die Erleichterung deutlich anzusehen.

Deutscher Fechter-Bund im Umbruch

Denn die überraschend starken Leistungen von Schmidt und auch Limbach dürften den im Umbruch befindlichen Deutschen Fechter-Bund auf seinem Weg bestärken. Nach den erfolglosen letzten Jahren hatte es in den vergangenen Monaten in beiden Waffengattungen einen Neustart gegeben. Bis auf Limbach und die erst 21 Jahre alte Ann-Sophie Kindler, die im Achtelfinale ausschied, war es für alle anderen Starter im Damensäbel und Herrendegen der erste Auftritt bei einer WM.

Auch für Schmidt, doch dem Offenbacher war davon nichts anzumerken. Mutig und nervenstark bestritt er seine Gefechte. In der zweiten Runde behielt er beim 15:14 gegen den Luxemburger Flavio Giannotte die Oberhand. Danach setzte er sich im Achtelfinale ebenfalls knapp 15:13 gegen den Kasachen Ruslan Kurbanow durch, ehe ihm wenig später die Medaille nicht mehr zu nehmen war.

Auch Limbach präsentierte sich in Top-Form. Die Dormagenerin besiegte im Achtelfinale die favorisierte Weltranglistenvierte Manon Brunet aus Frankreich mit 15:10. Angefeuert von den heimischen Zuschauern, ließ sie sich nicht von ihrem Weg abbringen. Erst im Viertelfinale war Vecchi zu stark.

Joppich, Kleibrink und Ndolo noch mit Medaillenchancen

Lukas Bellmann (Leverkusen) schied in der ersten Runde nach einem 7:15 gegen Jesus Andres Lugones Ruggieri (Argentinien) aus. In der Qualifikation gescheitert waren der deutsche Meister Fabian Herzberg (Leverkusen) sowie Raphael Steinberger (Solingen).

Bei den Frauen unterlag Kindler (Eislingen) in der Runde der letzten 16 der Japanerin Shihomi Fukushima mit 12:15. In ihrem Auftaktgefecht hatte sie sich gegen Ibtihaj Muhammad, Bronzemedaillengewinnerin mit dem US-Team bei den Olympischen Spielen in Rio, mit 15:12 durchgesetzt.

Bei den letzten beiden Einzelentscheidungen am Sonntag ruhen die Hoffnungen der Deutschen vor allem auf dem viermaligen Einzel-Weltmeister Peter Joppich (Koblenz), dem Peking-Olympiasieger Benajmin Kleibrink (Tauberbischofsheim/beide Florett) und der EM-Zweiten Alexandra Ndolo (Leverkusen/Degen).

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